Sternberg: Kirche verliert an Glaubwürdigkeit

ZdK-Präsident beim Willehad-Empfang im St. Petri-Dom

„Wir werden als Gläubige gebraucht, auch in dieser Gesellschaft.“ Das hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, am Montagabend beim Willehad-Empfang des Katholischen Büros im Bremer St. Petri-Dom betont.

In seiner Rede über „Krisenzeiten in Kirche und Gesellschaft“ vor Gästen aus Politik, Kirche und Gesellschaft erklärte Sternberg, derzeit erlebe er eine Verärgerung unter katholischen Gläubigen, „wie ich sie noch nie in meiner Lebenszeit erlebt habe“. Diese Wut herrsche bei den Treuesten und komme aus der Mitte der Kirchengemeinden.

Als Gründe machte der ZdK-Präsident nicht nur den Umgang mit dem sexuellen Missbrauch in der Kirche, sondern auch „liegengebliebene Reformen“ aus. Papst Johannes Paul Ii. habe zwar zum Zusammenbruch des Ostblocks beigetragen, kirchenpolitisch aber Reformen beendet. 1994 habe er schon die Diskussion über die Frage, ob Frauen Priester werden könnten unterbunden. Die Diskussion über eine Diskussion zu verbieten, sei ein Denkfehler des Papstes gewesen.

Generell bescheinigte Sternberg der Kirche einen Glaubwürdigkeitsverlust. Beide großen Kirchen würden in einigen Jahren nicht mehr eine Mehrheit in der deutschen Bevölkerung stellen. Ziel des Synodalen Weges seines, „die zarte Pflanze Glaubwürdigkeit wieder zum Wachsen zu bringen“.
Im Hinblick auf die Frauen-Emanzipation habe sich in der katholischen Kirche schon viel getan, sagte Sternberg und nannte als Beispiel, dass eine Frau - Beate Gilles - zur Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz gewählt wurde.

„Wir sind ganz, ganz unten"

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer sagte bei der Willehad-Vesper in seiner Predigt zur Krise der Kirche, ein Gebrauchtwarenhändler habe mehr Kredit als ein katholischer Bischof in Deutschland. „Wir sind unten, ganz unten.“ Die Kirche der Zukunft werde sich um die „verletzten Herzen der Menschen“ kümmern müssen.

„Hervorragende Zusammenarbeit"

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) dankte den Kirche. für die „hervorragende Zusammenarbeit“ im Kampf gegen die Corona-Pandemie, die jederzeit vertrauensvoll gewesen sei. Bovenschulte würdigte auch den Großen Einsatz der katholischen Kirche im sozialen Bereich. 

Der Bürgermeister lobte auch die kulturelle Vielfalt der katholischen Kirche in Bremen. Menschen aus 120 Nationen würden in den Gemeinden mehr als herzlich aufgenommen. Zuvor hatte der Bremer Propst Bernhard Stecker betont, er habe die Zusammenarbeit mit dem Senat und der Bürgerschaft der Hansestadt stets als vertrauensvoll erlebt.

Musikalisch gestaltet wurde die Willehad-Vesper von Domorganist Wolfgang Baumgratz und dem Propsteichor unter Leitung von Regionalkantorin Mona Rozdestvenskyte. Beim anschließenden Empfang spielte das Arminio-Quartett aus Detmold. - Der Empfang ist benannt nach Willehad (730-789), dem ersten Bischof von Bremen und wird jedes Jahr im November veranstaltet. Im vergangenen Jahr fiel das Treffen corona-bedingt aus.


 Willehad-Empfang
 Katholischer Gemeindeverband in Bremen
 Katholisches Büro
 Andreas Bovenschulte
 Bernhard Stecker
 Heiner Wilmer
 Thomas Sternberg
 Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Beim Willehad-Empfang im St Petri-Dom sprachen (erste Reihe von links): Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte, der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer und als Gastgeber Propst Bernhard Stecker. Zu den Gästen gehörte unter anderen der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, Bernd Kuschnerus (zweite Reihe). Foto: Christof Haverkamp