Das zehn Meter hohe Fastentuch der Künstlerin Jessica Buhlmann in der Bremer Propsteikirche St. Johann hat nach Angaben von Propst Bernhard Stecker viele positive Resonanzen hervorgerufen. Sonntags seien andere Besucher als sonst in die Kirche gekommen, sagte Stecker in einem Podiumsgespräch, das der Galerist Radek Krolczyk moderierte. Weitere Teilnehmerinnen waren die Künstlerin Buhlmann und Mirjam Verhey, Kustodin am Gerhard-Marcks-Haus.
Stecker sprach Krolczyk für die Vermittlung seines Kontakts zu der Berliner Künstlerin seinen Dank aus. Der Propst dankte Jessica Buhlmann für ihren Mut, das Fastentuch in dieser Form gegen Widerstände durchzusetzen und räumte ein: „Ich war der Bedenkenträger.“ Auch wenn zu den Gottesdiensten in der Propsteikirche sehr unterschiedliche Besucher kämen, wirke das Kunstwerk nicht spaltend, sondern eher zusammenführend. Ihm sei außerdem klar geworden, wie viel abstrakte Kunst in dem mittelalterlichen Gotteshaus mit seinen Fenstern, Rippen und dem Gewölbe stecke.
Die Kunsthistorikerin Mirjam Verhey erklärte, durch das Verhängen von etwas Präsentem wie dem Kreuz werde ein Ausnahmezustand losgetreten. Durch das Verhüllen werde zugleich eine Erwartung gebrochen. Die Qualität der Arbeit von Jessica Buhlmann liege darin, dass jeder die Möglichkeit habe, selbst in dem Fastentuch etwas zu sehen. Das abstrakte Kunstwerk lasse bei den Betrachtern Raum für die persönliche Interpretation.
Nach ihrer Einschätzung gibt es gerade in diesem Jahr viele Beispiele für Fastentücher, die als Kunstwerke in Kirchen gezeigt würden. Eines davon sei in der Heilig-Kreuz-Kirche in Münster zu sehen. Die Fastentücher seien ein „toller Weg“, sich auf die Passionszeit einzustellen.
Jessica Buhlmann unterstrich, dass ihr Kunstwerk nicht isoliert steht, sondern in den Raum integriert ist. Die abstrakte Komposition mit ihren Linien sei nicht zufällig. Sie wies außerdem darauf hin, dass sich das Fastentuch im Laufe des Tages durch das Licht verändert, etwa wenn sich auf ihm die Farben der Glasfenster der Kirche spiegelten.
