Fastentuch verhüllt Kreuz der Propsteikirche St. Johann

Ein Kunstwerk von Jessica Buhlmann aus Berlin

In der Fastenzeit, auch österliche Bußzeit genannt, wird das Kreuz in der Propsteikirche St. Johann bis Karfreitag mit einem zehn Meter hohen Fastentuch verhüllt. Dieses Kunstwerk kommt von der in Berlin lebenden Künstlerin Jessica Buhlmann. Sie hat sich im vergangenen Jahr bereits mit dem Thema beschäftigt und für die evangelisch-lutherische Kirche in Langenstriegis in der sächsischen Kleinstadt Frankenberg nahe Chemnitz „Interventionen zur Passion“ erstellt.

Jessica Buhlmann lässt ein weiches, weitmaschiges Gewebe vor dem Kreuz herunterfließen, das an Blattadern, organische Netze oder auch die Facetten eines Bleiglasfensters erinnert. So schafft sie mit der Herstellung von Durchblicken, Zuständen und Abschattungen eine räumlich-visuelle Intervention im Altarraum der Propsteikirche.

Das Tuch, bestehend aus Metallteilen und gespannten Textilien, enthüllt und verhüllt zugleich. Der alte Brauch des Bilderfastens vor dem christlichen Ostergottesdienst wird mit Buhlmanns Arbeit aufgegriffen. Das bildlose Gewebe aus offenen und geschlossenen Binnenflächen, Farben und Linien mag eine Ahnung von Unbewusstem oder Verborgenem auslösen wie auch die Sehnsucht nach Klarheit und Zusage.

Die Verhüllung von Kreuzen - eine alte Tradition
Die Verhüllung der Kreuze und manchmal auch des gesamten Altarraumes ist eine jahrhundertealte Tradition in der katholischen Kirche. Seit dem Mittelalter ist es üblich, spätestens zum Passionssonntag (5. Fastensonntag) die Kreuze mit unterschiedlich großen Tüchern zu verhüllen. Dies dient auch dazu, sich an den Anblick des Kreuzes nicht zu gewöhnen. Am Karfreitag werden die Kreuze im Gottesdienst feierlich enthüllt, um das Leiden und Sterben Jesu neu in den Blick zu nehmen.

Das Projekt wird finanziert von der Karin und Uwe Hollweg-Stiftung in Bremen. Als Galerist betreut Radek Krolczyk von der Bremer Galerie K-Strich die Künstlerin Jessica Buhlmann.

Am Mittwoch, 4. März ist um etwa 19 Uhr nach der Abendmesse in der Propsteikirche St. Johann ein Gespräch mit der Künstlerin Jessica Buhlmann, Mirjam Verhey, Kustodin im Gerhard-Marcks-Haus, und Radek Krolczyk, Galerist der Galerie K-Strich. In der Diskussion geht es um das Thema Kunst und Kirche.

Predigtreihe mit Lyrikerin Nora Gomringer
Ergänzend wird eine Predigtreihe zur Fastenzeit veranstaltet, in der es um Kunst in Kirchen geht. Die Reihe steht unter dem Leitwort „Gottheit, tief verborgen“. Dabei wird unter anderem die Frage erörtert, wie zeitgenössische Kunst in den sakralen Räumen anderer Epochen wirkt und wie Künstlerinnen und Künstler damit umgehen. Die Predigten sind jeweils sonntags in der Abendmesse um 18 Uhr zu hören. Predigerinnen und Prediger sind:

•   1. März: Dr. Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses in Bremen
•   8. März: Franziskaner Franz Richardt OFM, ehemaliger geistlicher Direktor der Bildungsstätte Haus Ohrbeck in Georgsmarienhütte bei Osnabrück
• 15. März: Nora Gomringer, Lyrikerin und Schriftstellerin, Bamberg
• 22. März: Gregor Daul, Diakon der Propsteigemeinde St. Johann und Oboist bei den Bremer Philharmonikern.


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Das Fastentuch in der Propsteikirche St. Johann. Foto: Christof Haverkamp