Das Erzstift (965-1522)

Das Erzstift (965-1522)

Die Kirchenfürsten

Rimbertfenster in St. Johann

„Die Bedeutung des jeweiligen Metropoliten (= des Erzbischofs einer Metropole) ergibt sich einzig und allein aus seinem Erfolg in der Mission und seinem Einfluss am Königshof“ so Herbert Schwarzwälder.

Einen Draht zum König hat Erzbischof Adaldag (geboren um 900, gestorben 28.4. 988 in Bremen). Er vermehrt den Königsbesitz und erlangt 965 das erweiterte Marktrecht.

Schon 888 hatte Erzbischof Rimbert (geboren um 830, gestorben am 11.6.888 in Bremen) das Markt-, Münz- und Zollrecht bestätigt bekommen, das die Kirche vor der Vertreibung aus Hamburg bereits besessen habe.

Außerdem gewährt Adaldag dem abgesetzten Papst Benedikt V. (964-965) in Hamburg Asyl und legt den Grundstein der Reliquiensammlung des Bremer Doms, später ein Anziehungspunkt für Pilger von nah und fern. Adaldag ist, laut Konrad Elmshäuser, „der erste eigentliche Bremer ‚Kirchenfürst‘“. Er gründet in Jütland die Bistümer Schleswig, Ripen und Aarhus, die als Suffraganbistümer das Erzbistum Hamburg-Bremen zu einer wirklichen Kirchenprovinz machen.

Adaldag beginnt auch mit der Slawenmission. 964 gründet er das Bistum Oldenburg in Holstein, das im Slawenaufstand 983 verloren geht und später zum Bistum Lübeck mutiert. Der Bremer Erzbischof Adalbert gründet dann später die Bistümer Ratzeburg und Mecklenburg.

Da ein Metropolit eine angemessene Kathedrale braucht, ist der Bremer Erzbischof Bezelin-Alebrandt (1035–1043) wohl nicht sehr böse, als der alte Dom 1041 abbrennt. Er beginnt umgehend mit einem Neubau und nimmt dabei - als ehemaliger Kölner Domherr - am dortigen Dom Maß. Der doppelchörige Bezelin-Dom bildet das Fundament des heutigen Bremer Doms. Adalbert nimmt beim Weiterbau Maß am Dom zu Benevent, um Bremen so sichtbar zum „Rom des Nordens“ zu machen. Erzbischof Liemar (1072-1101) vollendet den Dom.

„Rom des Nordens“ und Patriarchatsplan

Mit dem Grafen Adalbert von Gosseck sitzt zwischen 1043 und 1072 einer der ehrgeizigsten, tragischsten und mächtigsten Erzbischöfe auf der Kathedra Petri in Bremen. Er hat einen guten Draht zu den Kaisern Heinrich III. und Heinrich IV.. Und da er weiß, dass der Dänenkönig ein eigenes dänisches Erzbistum haben will, entwickelt er den Plan eines Patriarchats des Nordens, dem ein dänischer Erzbischof unterstehen würde. „Sein Ehrgeiz richtet sich auf eine aktive Reichspolitik und die Transformierung der skandinavischen und wendischen Mission in imperiale Maßstäbe“, analysiert Konrad Elmshäuser.

Adalbert überragt zwar laut Herbert Schwarzwälder „alle seine Vorgänger und Nachfolger, in seinen Ansprüchen und auch in der politischen Bedeutung“. Gerade deshalb ist das Erzbistum bei seinem Tode pleite, auch wenn die Bremer Kirchenprovinz bis Island und Norwegen reicht und Adam von Bremen in seiner Hamburgisch-Bremischen Kirchengeschichte sogar Kunde von Amerika hat.

Für seinen Patriarchatsplan verzichtet Adalbert gar angeblich darauf, Papst zu werden. Statt seiner wählt man den von ihm vorgeschlagenen Bamberger Bischof, Graf Suidger von Morsleben, der als Papst Clemens II. allerdings kein ganzes Jahr regiert, von 1046-1047. Damit sind die Patriarchatspläne Adalberts das Pergament nicht wert, auf das sie geschrieben wurden. Die Nachfolger von Clemens II. setzen auf den römischen Zentralismus.

Es dauert zwar noch bis 1104 bis Lund Erzbistum wird, dem alle skandinavischen Bistümer als Suffragane unterstellt werden. Aber damit wird Bremen wieder Provinz. 

Die Livländische Mission

Kurzfristig hoffen die Bremer Erzbischöfe im 12. Jahrhundert durch die Livländische Mission verlorenes Terrain gut zu machen. Hartwig II. von Utlede, von 1184-1207 Erzbischof von Hamburg-Bremen, weiht mit Meinhardt aus Segeberg und Albert von Buxhövden zwei Bischöfe für Livland. Letzterer gründet das Bistum Riga. Doch der von Gerhard II., 1219-1258 Erzbischof von Bremen, für Riga geweihte Bremer Domherr Albert Suerbeer wird 1256 von Rom zum Erzbischof für die baltischen Länder erhoben und damit ist der Bremer Einfluss in Livland wieder vorbei. 

Der Kampf ums Erzstift

In ihrem provinzieller gewordenen Rumpfbistum müssen sich die Erzbischöfe nun mit den weltlichen Machthabern Sachsens herumschlagen, wenn sie sich als Landesherr ein eigenes Territorium schaffen wollen. In Heinrich dem Löwen hat der Erzbischof einen mächtigen Gegner. Mit Erzbischof Hartwig I. (1148-1168) wird zwar ein Graf von Stade Metropolit von Bremen, aber er kann dem Erzstift nicht die territorial wichtige Erbschaft sichern. Erst im 13. Jahrhundert gelingt der Ausbau des Territoriums zum Erzstift Bremen. 1236 sichert sich Gerhard II. die Stader Grafschaft für das Stift und er hat auch ein Auge auf die nach Selbstständigkeit drängenden Bremer.

Durch den Kreuzzug gegen die Stedinger bereitet der Erzbischof 1234 der Selbständigkeit der Bauern an der Unterweser zwar ein blutiges Ende, er bezahlt den Sieg aber damit, dass er seine Stellung der Stadt Bremen gegenüber schwächt.

Unter Gerhard beginnt Stade zur Nebenresidenz zu werden, die im 14. Jahrhundert Hamburg ablöst.

Der Bau eines Palatiums inmitten der Stadt unter dem recht friedliebenden Erzbischof Giselbert von Brunkhorst, Erzbischof von Bremen zwischen 1273-1306, beeindruckt den Bremer Rat nicht derart, dass er sein Ziel aus dem Auge verlöre, die Stadt selbst zu regieren. Der Rat baut vielmehr Anfang des 15. Jahrhunderts sein Rathaus direkt neben den erzbischöflichen Palast.

Im 14. und 15. Jahrhundert ist die Kathedra Petri in Bremen ein Spielball der Interessen der adeligen Familien des Umlandes. Sie setzten ihre überzähligen Söhne ins Domkapitel oder noch lieber auf den erzbischöflichen Stuhl.

Trotzdem wird die Stadt Bremen nach und nach zur beherrschenden territorialen Macht an der Unterweser. Dazu tragen nicht zuletzt die Erzbischöfe selbst durch ihren Ausverkauf bei. Sie stehen häufig bei der Stadt in der Kreide. Daher ist es nur logisch, dass sie sich aus der Stadt zurückziehen und das Erzstift wie die Stadt von ihrer entlegenen Landfestung Bremervörde aus zu regieren versuchen.

In der Stadt Bremen gibt es vor der Reformation vier Pfarrkirchen. Außerdem steht seit 1139 vor der Stadt die Benediktinerabtei St. Paul. 1225 werden ferner ein Franziskaner- und ein Dominikanerkloster gegründet, denen zwei Beginenhäuser angegliedert sind. Das kirchliche Leben wird außerdem durch Stiftungen und Bruderschaften bestimmt, die sich der Kranken, Armen und Pilger annehmen.