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07.12.2010

Lucia aus Tradition

Die Schwedin Asa Ohlrogge organisiert seit fünfzehn Jahren Luciafeiern in Bremen

„Die Lichter der Mädchen bereiten auch den Menschen in Bremen eine Freude“. Da ist sich die gebürtige Schwedin Asa Ohlrogge sicher, die seit über fünfzehn Jahren während der dunkelsten Tage des Jahres Luciafeiern in Bremen organisiert. Gemeinsam mit ihrer Tochter Caroline (36) und ihren Enkelkindern Linnea (6) und Benjamin (9) bildet die 61jährige Übersetzerin den harten Kern des „Luciagefolges“, das überwiegend aus Exilschweden und schwedenbegeisterten Bremerinnen besteht.

Der Name Lucia stammt vom lateinischen Lux, das Licht, und bedeutet „die Lichtvolle“ oder „die Strahlende“. Jedes Jahr rund um das Fest der Heiligen am 13. Dezember packt Familie Ohlrogge das „Luciafieber“. Dann werden die in Schweden gekauften weißen Baumwollkleider gewaschen und gebügelt. Die roten Gürtel werden bereitgelegt, die an den Märtyrertod der 286 geborenen sizilianischen Heiligen erinnern, die während der diokletianischen Christenverfolgung umgebracht wurde. Die Krone mit den fünf Kerzen wird poliert. So eine Lichterkrone soll Lucia auf dem Kopf getragen haben, um im Dunkeln die Hände frei zu haben zum Verteilen von Lebensmitteln für die Armen. Und auch die zwei- und dreistimmigen schwedischen Lucialieder werden einstudiert. Mehr als zehn hat Familie Ohlrogge davon im Repertoire.

„Früher hatten wir auch grüne Kränze aus Buchsbaum oder Preiselbeere, aber heute machen wir es uns leichter mit einer Krone aus Metall“ sagt die 36jährige Caroline. Wie schon ihre Mutter und ihre Großmutter tritt sie als Lucia in langem, weißem Gewand auf mit einem Kranz aus brennenden Kerzen auf ihrem Kopf. „Es tut ganz schön weh, wenn das heiße Wachs der Kerzen auf den Kopf tropft“, gibt Asa Ohlrogge zu. Gemeinsam mit ihrer Familie will sie den Menschen in Bremen nicht nur Licht und Gesang, sondern auch eine alte schwedische Tradition nahe bringen.

Im protestantischen Schweden, so Asa Ohlrogge, sind die populären Luciafeiern eine Art Ersatz für das katholische Nikolausfest. Lucia ist eine „lichtertragende Gabenbringerin“, das Luciafest ein fröhliches Familien- und Gemeinschaftsfest. Die religiöse Dimension spielt nicht unbedingt eine große Rolle. In Bremen treten die Ohlrogges häufig in kirchlichen Einrichtungen auf. Denn die eigentliche Botschaft des Luciafestes sei doch: „Wir sollen Licht dahin bringen, wo Menschen im Dunkeln sind“, da sind sich die Ohlrogges einig.

Bis zur Gregorianischen Kalenderreform 1582, in Schweden sogar bis zum Jahr 1752, fiel das Fest der heiligen Lucia am 13. Dezember auf die Wintersonnenwende. Über viele Jahrhunderte wurde der Luciatag also am kürzesten Tag und in der dunkelsten Nacht des Jahres begangen. Daraus hat sich ein reiches Brauchtum entwickelt, von Luzienzweigen über den Luciaweizen als Orakel für die kommende Ernte bis zum Lichterschwemmen. Neben dem fröhlichen Lichterfest gibt es auch eine Tradition grausiger Luciagestalten, die ungezogene Kinder bedroht und Lügnern die Zunge abschneidet. In Italien ist die heilige Lucia nach wie vor eine populäre Volksheilige, die besonders bei Augenleiden angerufen wird, und deren Lied „Santa Lucia“ in Italien und Schweden gleichermaßen beliebt ist.

Mutter Walburga, die Oberin der aus Schweden stammenden Birgittenschwestern, hat die Ohlrogges im Jahr 2002 das erste Mal in die St. Thomas Kirche im Bremer Osten geholt. Dort wohnten die Birgittenschwestern bevor ihr Kloster im Schnoor fertig wurde. Und St. Thomas ist der Tradition treu geblieben: Am 13. Dezember um 16.00 Uhr findet wieder eine Luciafeier mit Familie Ohlrogge und anderen Luciamädchen statt.

Bilder (Martina Höhns)