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als was du mir schenkst.

Hl. Katharina von Siena

16.02.2011

Interreligiöser Dialog

CDU diskutiert über Perspektiven des interreligiösen Dialogs

Um „Perspektiven des interreligiösen Dialogs“ ging es bei der Auftaktveranstaltung des neugegründeten Evangelischen Arbeitskreises der CDU in Bremen am 10. Februar.

Im Willehadsaal der katholischen St. Johannis-Schule diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche, der jüdischen Gemeinde und des Islam mit gut 80 Gästen darüber, wie das Gespräch zwischen den Religionen in Deutschland gefördert werden kann.

Der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor Renke Brahms, nannte fünf Punkte, die ihm beim interreligiösen Dialog wichtig sind: Erstens warnte er davor, das Gespräch zwischen den Religionen auf Konflikte zu verengen. Die gebe es zwar auch, aber sie dürften nicht den Blick auf Fortschritte in der Verständigung verstellen. Zweitens sollte immer zwischen Religion und dem Missbrauch von Religion unterschieden werden. Häufig werde Religion für politische Ziele instrumentalisiert. Drittens müsse klargestellt werden, dass es in allen Religionen das Phänomen des Fundamentalismus gebe, keineswegs nur im Islam. Als vierten Punkt forderte Brahms eine stärkere Debatte über wirklich theologische Fragen, die heute oft hinter eher gesellschaftspolitischen Fragen zurückträten. Und fünftens stellte der oberste theologische Repräsentant der Bremer Protestanten klar, dass es zum interreligiösen Dialog und zur Begegnung zwischen Menschen mit verschiedenen Religionen keine Alternative gebe.

Für die katholische Kirche war Dr. Peter Hünseler nach Bremen gekommen, der in Frankfurt die Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz für christlich-islamische Begegnung (CIBEDO) leitet. Für ihn ist der interreligiöse Dialog eines der großen Zukunftsthemen in Deutschland, da durch die demographische Entwicklung die Zuwanderung zunehmen werde. Die Kirchen forderte er auf, sich stärker an der Debatte über Integration zu beteiligen und warnte vor scharfmacherischen Tönen. Er begrüßte, dass es in allen Bistümern und Landeskirchen Islambeauftragte gebe und sich beide Kirchen für islamischen Religionsunterricht von in Deutschland ausgebildeten Lehrern und für das Recht auf angemessene Moscheebauten einsetzten. Hünseler mahnte aber auch einen Dialog über strittige Fragen an, wie zum Beispiel die Gleichwertigkeit der Geschlechter, die Religionsfreiheit in islamischen Ländern, den Kopftuchstreit und das Verhältnis zur Gewalt.

Nach Meinung von Elvira Noa, Leiterin der jüdischen Gemeinde in Bremen, hätten die christlichen Kirchen über Jahrhunderte erheblich zur Verfolgung der Juden beigetragen. Auch heute gebe es Antisemitismus und die jüdischen Gemeinden müssten sich vor Übergriffen schützen. Noa bedauerte, dass viele Kinder in Bremen keinen Religionsunterricht hätten, deshalb wenig über Religionen wüssten und so anfälliger seien für Vorurteile. Sie begrüßte, dass der Islam in Bremen immer präsenter werde. Ein Problem sah sie in der Vermengung von religiösen und politischen Fragen, die zum Beispiel im Nahostkonflikt begründet seien. Sie hob hervor, dass es Fundamentalisten auch unter den Israelis gebe. Mit der Situation in Bremen zeigte sich Noa zufrieden: hier gebe es ein gutes Miteinander der Religionen.

Dr. Ali Ihsan Ünlü war für die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (D?T?B) nach Bremen gekommen. Der Arzt unterschied zwei Phasen des interreligiösen Dialogs: In der ersten Phase vom Auftreten des Propheten Mohammed bis zum Zweiten Weltkrieg sei es Juden und Christen schwer gefallen, den Islam zu würdigen, weil für sie die biblische Offenbarung bereits abgeschlossen gewesen sei. In der zweiten Phase seit dem zweiten Weltkrieg, insbesondere seit dem zweiten Vatikanischen Konzil, sei der Dialog besser geworden. Allerdings herrsche besonders in Deutschland große Unkenntnis über den Islam. Ünlü kritisierte, dass Probleme der Integration oft mit dem Islam in Verbindung gebracht würden. Er rief dazu auf, religionsübergreifende Freundschaften zu pflegen und offen und ehrlich miteinander zu sprechen.

In der anschließenden Diskussion, war man sich einig: Das Gespräch zwischen den Religionen dürfe nicht auf Fragen der inneren Sicherheit und der Integration reduziert werden. Gleichzeitig forderten Teilnehmer, dass sich islamische Würdenträger klar von jeder Form von Gewalt, insbesondere von Selbstmordattentaten, distanzierten und sich stärker für die freie Religionsausübung von Juden und Christen in islamischen Ländern einsetzen sollten.

Die Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Bremen, Elisabeth Motschmann, die zu der Veranstaltung eingeladen und sie moderiert hatte, zeigte sich zufrieden: Nur durch die Begegnung zwischen Menschen könnten Brücken der Verständigung zwischen den Religionen gebaut werden. Diskussionsveranstaltungen wie die des Evangelischen Arbeitskreises seien dabei wichtige Schritte auf dem noch langen Weg.

 

Bild (Martina Höhns):

Von links nach rechts: Dr. Peter Hünseler, Dr. Ali Ihsan Ünlü, Elisabeth Motschmann, Elvira Noa, Renke Brahms.