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12.05.2011

Großes Interesse an Spiritualität auf der Messe „Leben und Tod“

Erhard Weiher spricht über spirituelle Begleitung

Bremen (mh) „Kein Mensch ist nicht spirituell“, davon ist Pfarrer Erhard Weiher überzeugt, der seit vielen Jahren als Seelsorger am Uniklinikum Mainz arbeitet. Über 200 Besucherinnen und Besucher der Fachmesse „Leben und Tod“ waren am 12. Mai in seinen Fachvortrag gekommen, um von seinen Erfahrungen in der spirituellen Begleitung kranker und sterbender Menschen zu hören.

Spiritualität definiert Weiher als „den inneren Geist aus dem der Mensch heraus sein Leben empfindet und gestaltet“, als eine Dimension, in der ein Mensch sich selbst übersteigt. Dazu gehöre das Wissen: „Ich habe Bedeutung über das hinaus, was man von mir sieht“. Aber auch die Kenntnis von Symbolen, die über das Individuum hinaus für die ganze Menschheit Bedeutung haben. Und schließlich ein Gespür für das Heilige und Überweltliche. Immer religionsbezogen sei Spiritualität heute aber längst nicht mehr, so der Theologe und Diplomphysiker, der Priester des Bistums Mainz ist.

In den letzten Jahren sei besonders in der Palliativmedizin die Bedeutung spiritueller Begleitung von Menschen erkannt worden. Sie ist dort ein fester Bestandteil neben der körperlichen, der sozialen, mentalen und emotionalen Fürsorge. Und doch wüssten Ärzte, Pflegende und Seelsorger oft nicht, wie sie mit den spirituellen Ressourcen der Menschen in Kontakt kommen und sie bei ihrer Sinnsuche unterstützen könnten.

Weiher rät bei Beginn eines Klinikaufenthalts zu einer spirituellen Anamnese, bei der sensibel nach Religions- oder Kirchenzugehörigkeit gefragt werden sollte. Besonderen Wert legt er auf „Begegnungsspiritualität“, also darauf, den Patienten durch Zuwendung, Fürsorge und Begleitung zu unterstützen. Dazu gehörten empathisches Einfühlen und eine gute Gesprächsführung. Denn ohne Vertrauen und eine gute Beziehung ließen Menschen keinen anderen an „die Schatztruhe ihrer Seele“, so Weiher.

Zudem setzt Weiher auf eine „Bedeutung erschließende Begleitung“, die sogenannte „Resonanzspiritualität“. Dabei geht es darum, hellhörig dafür zu werden, welche Bedeutung ein Mensch Ereignissen des Lebens und des persönlichen Schicksals gibt. So könne der Wunsch eines Sterbenden, ein neues Auto zu kaufen und mit seiner Frau noch einmal rumzukutschieren, ganz unterschiedliche Bedeutungen haben.

Gute Erfahrungen hat Weiher mit beruflichen und religiösen Ritualen gemacht. „Sinngebung durch Tun“ könne es sein, wenn zum Beispiel bei jedem Krankenbesuch eine frische Blume mitgebracht, das Kissen aufgeschüttelt oder eine bestimmte Musik aufgelegt werde. Ein Ritual gebe Sinn, ohne das die Betroffenen in der Situation selbst etwas tun müssten und das würde oft als entlastend empfunden.

Rituelle Begleitung, Bedeutung erschließende Begleitung und mitmenschliche Begleitung, dieser Drei-Paß der spirituellen Begleitung von Erhard Weiher hat in Bremen viele Zuhörer überzeugt.

Bild: Klinikseelsorger Erhard Weiher am 12. Mai 2011 auf der Messe „Leben und Tod“ in Bremen.