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17.06.2011

Weihrauch, Monstranz und Baldachin

Wilhelm Tacke erforscht das Fronleichnamsfest in Bremen

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 17.06.2011

„Weihrauch, Monstranz und Baldachin“
Wilhelm Tacke erforscht das Fronleichnamsfest in Bremen

Bremen (mh) Gerade rechtzeitig zum Fronleichnamsfest, das die Katholiken am 23. Juni feiern, hat Wilhelm Tacke heute sein neues Buch „Weihrauch, Monstranz und Baldachin. Fronleichnam in Bremen – Ein Stück bremische Konfessionsgeschichte“ vorgestellt. Auf 242 Seiten schildert der umtriebige Pensionär und langjährige Pressereferent des katholischen Gemeindeverbandes in Bremen detailreich die Entstehung des Fronleichnamsfestes, seine Anfänge in Bremen, das Verbot durch die Nazis und den Wandel, den die Feier im Laufe der Jahre erfährt.

1925 ist nach Forschungen von Tacke in Bremen zum ersten Mal öffentlich eine Fronleichnamsprozession begangen worden. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Vereinsgesetze der Weimarer Republik derartige Versammlungen erstmals komplikationslos ermöglicht. Zudem habe der in die Hansestadt zugezogene Steuerinspektor Paul Werner aus der Röhn, dem Tacke das im Selbstverlag erschienene Buch gewidmet hat, die heimische Prozession in Bremen vermisst. Da die von Werner aus einer Tischlerwerkstatt zu einer Notkirche umfunktionierte St. Elisabeth-Kirche in Hastedt zu klein für eine Prozession drinnen gewesen sei, habe man sie kurzerhand nach draußen verlegt: „Also gingen die Katholiken 1925 um die Kirche. Weil keiner meckerte, wagte man 1926 den Gang durch Hastedt. Und weil auch diesmal keine negativen Reaktionen zu vernehmen waren, dehnte man 1928 den Weg zur Weserlust aus. So blieb es bis 1939, bis die Nazis die Prozession verboten“, so Tacke.

Bei der Frage, weshalb nur in Hastedt eine Fronleichnamsprozession stattgefunden hat, stößt der Autor auf die „protestantischen Vorurteile Katholiken gegenüber“. Die wurden damals „nicht nur hinter vorgehaltener Hand, sondern lauthals in Vorträgen oder subtil den Konfirmanden vermittelt“, so der ehemalige Grundschullehrer. Vorneweg mit dabei seinen auch ein paar Domprediger gewesen. Die Katholiken hätten darauf mit ausführlichen Leserbriefen reagiert, die damals „Eingesandt“ hießen. Zudem hätten in jener Zeit vorwiegend Sozialdemokraten und Gewerkschaftler gegen Christen gehetzt und für den Kirchenaustritt geworben, so Tacke.

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe die erste Prozession mit Erlaubnis der Amerikaner 1946 im Weser Stadion stattgefunden. Im Bürgerpark werde die Fronleichnamsprozessionen ab 1948 durchgeführt, während der Gottesdienst zunächst in der Sporthalle bzw. auf den Treppen des Parkhauses gefeiert worden sei, so Tacke. Damals sei es auch schon einmal vorgekommen, dass die Trompeter der IG-Metall neben ihrem Standardschlager „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ das Kirchenlied „O, Sonn des Heiles Jesu Christ“ lernten, um die Prozession durch den Bürgerpark zu begleiteten. Ab 1955 hätten dann Gottesdienst wie Prozession im Bürgerpark stattgefunden, anfänglich mit bis zu 10 000 Katholiken aus allen Bremer Gemeinden, heute immerhin noch mit über 2000 Teilnehmern. Die liturgischen Änderungen des 2. Vatikanischen Konzils hätten zum Wegfall der vier Altäre und 1986 zur Abschaffung der Prozession geführt, so der Buchautor. Seit dem Jahr 2002 gebe es jedoch, wenn auch in verkürzter Form, wieder eine Prozession.

Wie bei Tacke üblich, gibt er in dem Buch auch lustige Begebenheiten und Anekdoten zum Besten: so z. B., dass sich die Prozession auch schon einmal verlaufen habe. Oder dass Bürgermeister Henning Scherf nach der Prozession 1999 dem Wunsch hatte, mit den Ministranten Fußball zu spielen. Aufgrund der Radioansage eines forschen Radio Bremen-Reporters habe die Hälfte der Gläubigen einmal unter Regenschirmen im Bürgerpark einen Kurzgottesdienst feierte, während die größere Hälfte zum evangelischen Dom zog und den dortigen Domküster zunächst überzeugen musste, dass die Feier wegen des Regens im Dom stattfinden dürfe. Diese Gastfreundschaft für die Katholiken im evangelischen Dom ist Dank des verwaltenden Bauherrn Hans-Henry Lamotte seit 1972 möglich und wird bis heute praktiziert. Seit 1974 ist auch der Bläserchor der evangelischen Gemeinde Oberneuland ständiger musikalischer Begleiter beim katholischen Fronleichnamsfest. „Die Bremer Fronleichnamsfeier ist mithin längst kein Ärgernis mehr für Protestanten“, so Tacke.

Einen besonderen Exkurs von 30 Seiten widmet der Vorsitzer des Vereins für Niedersächsisches Brauchtum den weiblichen Messdienern, die es nach Tacke ab 1972 in Bremen gab. Tacke versteht sein Werk auch als Beitrag zur „Konfessionsgeschichte der nicht immer so Freien Hansestadt“.

Das Buch „Weihrauch, Monstranz und Baldachin. Fronleichnam in Bremen. Ein Stück bremische Konfessionsgeschichte“ von Wilhelm Tacke kann zum Preis von 10,- Euro beim Autor bezogen werden.

 

 

Bilder (Martina Höhns):

Wilhelm Tacke stellt sein neues Buch „Weihrauch, Monstranz und Baldachin“ am 17.06.2011 in Bremen vor.