Aktuelle Mitteilungen

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03.07.2011

Bewegender letzter Gottesdienst in Arbergern

Dankbar für 34 Jahre St. Brabara

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 03.07.2011

Dankbar für 34 Jahre St. Barbara - Abschiedsschmerz und Ermutigung zum Aufbruch
Bewegender letzter Gottesdienst in St. Barbara in Arbergen

Bremen (mh) Mit einem bewegenden letzten Gottesdienst haben gestern (2. Juli) um 17.00 Uhr über 200 Menschen Abschied genommen von der Kapelle St. Barbara in Bremen Arbergen, darunter Vertreter der evangelischen Nachbargemeinden und aus dem Stadtteil. Im Auftrag des Bischofs von Osnabrück verlas Domkapitular Ansgar Lüttel das Dekret mit dem die kirchliche Nutzung des 1977 eingeweihten Gemeindezentrums aufgehoben und das Gotteshaus profaniert wurde.

Lüttel stand gemeinsam mit den Geistlichen der Pfarrei St. Raphael, Pfarrer Joachim Dau, Pastor Rüdiger With und Diakon Dr. Richard Goritzka, dem Gottesdienst in der überfüllten Kirche vor. In seiner Predigt ging der Personalreferent aus dem Bistum Osnabrück auf die Gefühle der anwesenden Gemeindemitglieder ein. Viele von ihnen hatten vor 34 Jahren den Aufbau der Außenstation der St. Godehard-Kirche für die damals wachsende Zahl der Katholiken in Arbergen selbst miterlebt. Er verstehe deren Traurigkeit, warb aber gleichzeitig um Verständnis für die Entscheidung, die sich niemand leicht gemacht habe.

Nüchtern beschrieb er die zurückgehende Zahl der Gottesdienstbesucher und besonders der Priester. Seien in diesem Jahr im Bistum Osnabrück noch zwei Männer zu katholischen Priestern geweiht worden, sei es im kommenden Jahr voraussichtlich nur noch einer und im Jahr 2013 vermutlich kein einziger. Demographische und finanzielle Gründe hätten ebenfalls für die Aufgabe des Kirchenstandortes in Arbergen gesprochen, einem Stadtteil, in dem die Zahl der Katholiken anders als erwartet besonders durch Wegzug kleiner geworden sei.

Auch wenn sich das Leben der christlichen Gemeinden in einer „zunehmend areligiösen Gesellschaft“ radikal verändere, so Lüttel, sehe er auch Zeichen neuen Lebens und Aufbruchs. Er nannte neue kirchliche Gemeinschaften und die wachsende Zahl von Menschen, die als Erwachsene zum Glauben und in die Kirche finden. Die Kirche müsste offen sein für Menschen, die Spiritualität, Orte des Gebetes und Gemeinschaft suchten. Dass St. Barbara über 34 Jahre lang so ein Ort gewesen sei, dafür sei er dankbar.

Die Katholiken aus Arbergen, die über viele Jahre ein Zuhause in St. Barbara hatten, müssten jetzt gleichsam aufbrechen und „umziehen“. Diesen Neuaufbruch und den damit verbundenen Abschiedsschmerz bezeichnete der Domkapitular als „Sinnbilder des Lebens“. Sie machten deutlich, dass Menschen als Pilger auf dem Weg sind. Gott wohne nicht in einem festen Haus, sondern er sei mit den Menschen unterwegs und dort Zuhause, wo er in Geist und Wahrheit angebetet werde.

Als sichtbares Zeichen der Profanierung nahm Pfarrer Joachim Dau am Ende des Gottesdienstes das Ziborium aus dem Tabernakel, der anschließend leer und geöffnet blieb. Das Gefäß, in dem die konsekrierten Hostien aufbewahrt werden, wurde von dem Priester in die St. Godehard-Kirche gebracht, in der in Zukunft auch die Katholiken aus Arbergen, Mahndorf und Hemelingen eine neue Heimat finden sollen.

Annette Prevot und Silvia Bursch vom Pfarrgemeinderat sicherten den Gottesdienstbesuchern zu, dass die Katholiken aus St. Barbara in den anderen Kirchen des pastoralen Raumes St. Raphael im Bremer Osten willkommen seien. Auch die sakralen Gegenstände aus der Kapelle würden dort ein neues Zuhause finden. Für etwas fröhliche Stimmung sorgten trotz aller Nachdenklichkeit und Traurigkeit anschließend Kinder und Erzieherinnen der Elterninitiative Arbergen mit Liedern und einem „Schubidua-Tanz“. Die Kindergartengruppe der Elterninitiative war ebenso wie der Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit und eine Arbeitslosenhilfeberatung lange als Gast in St. Barbara untergekommen.

Schwer fiel der Abschied auch Gemeindereferentin Ursula Frantzen, die fast 26 Jahre an dem Standort St. Barbara gelebt und gearbeitet hatte. Gemeinsam mit Pfarrer Eugen Kaesbach, der ebenfalls an dem Gottesdienst teilnahm, hatte sie das Gemeindezentrum mit aufgebaut und jetzt auch die Abschiedsfeier mitorganisiert. Die 34jährige Geschichte von St. Barbara hat Wolfgang Horn, langjähriger Lektor der Gemeinde, in einem Rückblick aufgearbeitet. Daraus entstanden sind eine Ausstellung und eine DVD, die beide nach dem Gottesdienst auf großes Interesse der Besucher trafen. Die Ausstellung soll jetzt an allen Kirchenstandorten der St. Raphael Pfarrei gezeigt werden. Die DVD mit Bildern und Filmen gibt auf anschauliche Weise Einblicke in das Gemeindeleben und kann gegen eine Spende beim Autoren bezogen werden.

Die Gemeinde St. Raphael, zu der St. Barbara gehört, hatte sich Ende Januar nach langem Ringen aus seelsorglichen und finanziellen Gründen entschieden, die Gebäude in der Hermann-Osterhoh-Str. 4 zu verkaufen. Ein privater Bauträger will sie abreißen und an ihrer Stelle Wohnhäuser bauen.

Im Dekanat Bremen, also dem Teil von Bremen, der zum Bistum Osnabrück gehört, ist die St. Barbara-Kapelle in Arbergen das dritte katholische Gotteshaus, das abgerissen wird. 1994 wurde die St. Franziskus Kirche in Grolland abgerissen, im März 1999 die St. Laurentius Kirche in der Gartenstadt Vahr, die allerdings ersetzt wurde durch eine Kapelle im Caritas-Altenheim St. Laurentius, das an gleicher Stelle errichtet wurde. Entwidmet wurde zudem 1994 die St. Katharina Kapelle in Borgfeld. 2009 wurde die Herz Jesu Kirche in der Neustadt umgebaut und in das Caritas-Altenpflegeheim St. Michael integriert.

Weitere Informationen über die St. Barbara-Kapelle und die Gründe für ihre Profanierung finden Sie in der Pressemitteilung des katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 24.06.2011 und im Internet unter www.kgv-bremen.de.

Bilder:
Martina Höhns: Der letzte Gottesdienst in St. Babara am 2. Juli 2011. Von links nach rechts: zwei Messdiener, Lektor Wolfgang Horn, Pastor Rüdiger With, Diakon Dr. Richard Goritzka, Domkapitular Monsignore Ansgar Lüttel, Pfarrer Joachim Dau, zwei Messdiener.
Wolfgang Horn: Die St. Barbara Kapelle in Arbergern, die am 2. Juli profaniert wurde.