Aktuelle Mitteilungen

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13.09.2011

5 Jahre Philoxenia

Orthodoxe Vesper und Empfang

Bremer Philoxenia-Gruppe wird fünf

 

 

Bericht von Wilhelm Tacke

 

Die Feier zum 5. Geburtstag der bremischen Philoxenia-Filiale begann am nachmittags des 13. Septembers 2011 in der Krypta der Propsteikirche-St.-Johann mit dem dreistimmigem Kanon, des Bremer Kirchenlieds „Lobet den Herren“, dirigiert von Propst Dr. Martin Schomaker. Danach feierten der Dekan des norddeutschen Dekanats der russisch-orthodoxen Diözese Berlin, Erzpriester Boris Ustimenko aus Magdeburg, und der Bremer Pfarrer Mikail Zemann eine orthodoxe Vesper in deutscher Sprache. Weiteres liturgisches Geburtstagsgeschenk: Die orthodoxe Vesper wurde um den lateinischen Lobgesang des Te Deums erweitert.

 

Gekommen waren neben den Mitgliedern und Fans der Bremer Philoxenia-Gruppe, die es in Bremen erst seit 2006 gibt, die in der Bundesrepublik aber seit 1966 aktiv ist, gegründet von der evangelischen Christin Ilse Friedeberg als Freundeskreis orthodoxer, katholischer und evangelischer Christen mit dem Ziel, Christen der westlichen und östlichen Tradition zusammenzuführen, damit sie voneinander lernen und dadurch beginnen, einen wirkliche "Gütergemeinschaft" innerhalb des Leibes Christi zu praktizieren. Unter den Gästen der Bremer Geburtstagsfeier war die Präsidentin der Bremisch-Evangelischen Kirche, Brigitte Boehme, der Vorsitzende der bundesweiten Philoxenia, der Hamburger Domkapitular, Msgr. Wilm Sanders, und eine Reihe von Mitgliedern der russisch-orthodoxen Gemeinde zu den Heiligen Kaiserlichen Leidensduldern in Bremen, die gottesdienstlich in der kath. St.-Bonifatius-Kirche in Findorff vorübergehend beheimat sind.

 

Nach der 45minütigen Vesper erinnerte Maria Wedewer-Steffen, Motor der bremischen Philoxenia-Gruppe, an den Namen, wie die Anfänge der Arbeit. In Bremen sei Philoxenia noch „wie ein Sandkorn in der Wüste“, aber Philoxenia an sich sei „so alt wie die Menschheit“, denn Gastfreundschaft sei ein hoher Wert, Von ihr berichte auch die Heilige Schrift.

 

Der ev. Pastor Peter Oßenkop las dann die bekannte Geschichte vom Besuch der drei Männer im Haine Mare bei Abraham, die Andrej Rubljow ein paar Jahrtausende später zu seiner unvergleichlichen Ikone der Dreifaltigkeit inspirierte und die quasi das Panier der Philoxenia-Bewegung in Deutschland ist, in der sich die Freunde der Ostkirche mit Vertretern der Ostkirchen zusammenfinden. „Die Liebe zu den und dem Fremden“ sei „das, was uns auch kirchlich begeistern kann“, schloss Pastor Oßenkop, Denn das Kennen lernen der anderen Liturgie bereichere das eigene religiöse Leben und Erleben.

 

Maria Wedewer-Steffen erinnerte an die Anfänge vor fünf Jahren, wo sie zunächst nur den serbisch-orthodoxen Vater Sascha Mamirovic als ostkirchlichen Ansprechpartner kennen gelernt habe. Der russisch-orthodoxe Vater Mikail Zeman sei dann hinzugekommen. Sie habe ferner Kontakt zu den syrisch-orthodoxen Christen gesucht, die in Bremen-Nord eine Heimat wie zu den griechisch-orthodoxen die in der Wilhadikirche in Walle eine Bleibe fanden. Der in Bürgerpark-Nähe aufgestellte armenische Kchatschkar (=Kreuzstein) habe sie dann veranlasst, sich auf die Suche nach armenischen Christen in Bremen zu machen. In der Gründungsvesper in der Krypta der Bremer Propsteikirche sei der liturgische Gesang noch in Kirchenslawisch erfolgt, während die Vesper am heutigen Nachmittag von russischen Priestern bereits in Deutsch gesungen werde.

 

Das ermöglichte den deutschen Teilnehmern auch eine Besonderheit orthodoxer Gottesdienste besser zu verstehen: Das ununterbrochene Kreuzzeichenschlagen über die Brust und anschließende Verneigen. Man konnte nämlich, wenn man gut aufpasste, herausfinden, dass das Kreuzeichen in der orthodoxen Form immer dann gemacht wurde, wenn im Text das Wort „Gott“, „Christius“, „Herr“ oder die „Dreifaltigkeit“ erwähnt wurde. Auch das inständige Flehen nach Erbarmen konnte beeindruckend zur Kenntnis genommen werden. Dass nicht mit der Hand, sondern mit einem goldenen Handkreuz der Segen ausgeteilt wurde, erfuhren westliche Christen genauso, wie dass es nicht beim dreimaligen Segen blieb, nach dem Motto: An Segen kann man nie genug bekommen. Die orthodoxe Gratulation zum 5jährigen Bestehen von Philoxenia erfolgte übrigens per liturgischem Gesang: „Auf viele Jahre“, erklang zum Schluss, ein Gesang, der an sich das Kirchengewölbe füllt, wenn der Bischof feierlich in die Kirche einzieht.

 

Habe Philoxenia in den vergangenen Jahren das Gespräch mit den Schwesterkirchen gesucht und die Bischöfe der koptischen, syrischen und armenisch-apostolischen Kirche, wie der griechisch-orthodoxen Kirche zu Gast gehabt, so hoffe man in der nächsten Etappe das ökumenische Gespräch vor Ort zu vertiefen, so Wedewer-Steffen. Außerdem sei zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Bremen ein orthodoxer Vespergottesdienst mit anschließendem Brotbrechen wie auf dem Kirchentag in München geplant.

 

Msgr. Wilm Sanders wies beim anschließenden Empfang im Haus Philoxenia an der Donaustraße auf das Internationale Friedenstreffen in München hin, das von der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio organisiert wird, das zeitgleich in München unter prominenter Beteiligung von Kirchen- und Religionsführern sowie Bundespräsident und Bundeskanzlerin stattfinde, um den interreligiösen Dialog zu beflügeln. Er wünsche sich, dass dieser interreligiöse Dialog endlich die Basis erreiche und in den Gemeinden seinen angemessenen Platz finde. Unter Umständen könne, bzw. müsse auch Philoxenia da initiativ werden.

 

(Text von Wilhelm Tacke)