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Da sahen sie,

dass der Stein vom Grab

weggewälzt war.

Lk 24,2

10.09.2012

Gottesdienstfeier der Ewigen Profess / Alle Bilder: Kerstin Thompson

Am 8. September wurde in Bremen und Kerala gefeiert

Birgittenschwester Michelle legte Ewige Profess in St. Johann ab

Vermutlich war es seit der Reformation das erste Mal, dass in der Propsteikirche St. Johann in Bremen eine Ewige Profess gefeiert wurde: Am Samstag, den 8. September legte Schwester Michelle Maradikunnel aus dem Birgittenkloster im Schnoor im Gemeindegottesdienst um 18.00 Uhr ihre Ordensgelübde ab, mit denen sie sich für immer an die Ordensgemeinschaft bindet.

Die 31-jährige Ordensfrau aus Kerala im Südwesten Indiens lebt seit zweieinhalb Jahren in Bremen. In der internationalen Gemeinschaft der Birgittenschwestern in der Kolpingstraße ist sie die Zweitjüngste. Etwas aufgeregt war sie vor dem besonderen Ereignis schon. Immerhin war es das erste Mal, dass die „Kongregation des Allerheiligsten Erlösers der Heiligen Birgitta“, so der offizielle Name des Birgittenordens, eine Ewige Profess nicht in Rom, sondern an den jeweiligen Standorten der Ordenshäuser feiert. „Wenn alle sagten, dass es in Bremen seit fast 500 Jahren die erste Ordensprofess ist, hatte ich schon Herzklopfen“.

Im Kloster ist Schwester Michelle die Computerfachfrau. Denn bevor sie sich mit 20 Jahren für das Ordensleben zu interessieren begann, hat sie in Indien viele Computerkurse besucht und in einem Kosmetikstudio gearbeitet. 1981 wurde sie als mittleres von drei Mädchen in einer christlichen Familie geboren. Ihre ältere Schwester ist Nachrichtenredakteurin in Kerala, sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Jüngere arbeitet als Lehrerin mit ihrem Mann in Nordindien, wo beide eine Schule gegründet haben. Am 8. September hat sich ihre Familie in Kerala getroffen, um zu feiern. Eine Reise nach Bremen wäre zu weit und zu teuer gewesen. „Ich bin nicht traurig, denn ich weiß, dass ich immer in ihren Herzen bin“, sagt Michelle mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Wenn Michelle von ihrem Weg in den Orden erzählt, meint man fast, ihr sei ein Leben als Birgittenschwester in die Wiege gelegt. Denn als ihre Mutter die kleine Seeniya, so ihr Taufnahme, am 6. Januar 1981 zwei Monate zu früh auf die Welt brachte, hat sie es nicht mehr in ein Krankenhaus geschafft. Stattdessen halfen bei der Geburt zwei Schwestern der Mutter, die beide dem Birgittenorden angehören, und zwar nicht nur durch Gebet, sondern eine auch durch tatkräftige Geburtshilfe.

Von daher kam Seeniya, die bei ihrer ersten Profess am 8. September 2006 in Rom von der Äbtissin des Ordens den Namen Schwester Michelle erhalten hat, schon früh mit den Birgittenschwestern in Kontakt. Aber sie galt als viel zu frech, um ein Leben als Ordensfrau zu führen. „Du bist nach zwei Tagen wieder zu Hause“, hätte ihr Vater gesagt, als sie ihm mitteilte, ins Kloster in Kerala eintreten zu wollen. Aber sie blieb, machte dort ihre Computerkurse zu Ende und wurde dann zur Ausbildung nach Rom geschickt.

Bevor sie vor zweieinhalb Jahren nach Bremen kam hat Schwester Michelle drei Jahre in Neapel gelebt. In Bremen fühlt sich die Ordensfrau wohl. Ihr ist positiv aufgefallen, dass sie noch nie wegen ihres Akzents ausgelacht worden ist. „Die Menschen sind sehr hilfsbereit“. In ihrer knappen Freizeit hört sie besonders gerne lateinamerikanische und indische Musik. Auch Klassik und Pop mag sie und besucht gerne Konzerte der Musikhochschule, die direkt gegenüber vom Kloster ist. Vor kurzem hat sie begonnen, das Orgelspielen zu lernen. Sie liebt den Bürgerpark, die Weser und die Bremer Stadtmusikanten: „Die habe ich ja schon in Indien kennengelernt“ erzählt Michelle. Ihr Lieblingsgericht kommt aus ihrer Heimat und heißt Biriani: Reis, Gemüse und Fleisch gemischt. Das kocht sie hin und wieder für ihre Mitschwestern.

Zu dem festlichen Gottesdienst aus Anlass der Ewigen Profess von Schwester Michelle am 8. September um 18.00 Uhr war Domkapitular Monsignore Alfons Strodt aus Osnabrück angereist, der als Ordensreferent Bischof Dr. Franz-Josef Bode bei dieser Gelegenheit vertritt. 

Text: Dr. Martina Höhns; Bilder: Kerstin Thompson

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 10.09.2012.