Aktuelle Mitteilungen

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09.05.2015

Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, Dr. Almut Göppert, Dr. Stein Huseboe und Prof. Traugott Roser

Petra Detken, Elisabeth Rickermann und Florian Schneider / Fotos: Dr. Martina Höhns

Hilft Spiritualität bei Krankheit und Sterben?

Mediziner diskutieren über die Rolle von Religion und Glauben

„Sich Heilung zu wünschen, ist Bestandteil der Heilung“. Das soll schon der römische Philosoph Seneca gesagt haben. Aber ob Spiritualität, sowohl religiös als auch nicht-religiös verstanden, helfen kann schwere Zeiten auszuhalten, darüber gehen die Meinungen auseinander. Für Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, Chefarzt der Niels-Stensen-Kliniken Osnabrück und Vorsitzender des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes e.V. ist klar: „Spiritualität ist eine heilende Kraft, die sich die Medizin zu Nutze machen sollte“. Religiöse Menschen seien häufiger verheiratet, sozial mehr eingebunden und sie lebten oft gesünder.

Auch Dr. Almut Göppert, Palliativmedizinerin und Projektleiterin eines buddhistischen Spiritual Care Center in Brandenburg, sagt: „Die innere Bezogenheit und Ausrichtung auf Religion kann eine große Hilfe sein, bei sich und in der Kraft zu bleiben.“ Ihr helfe das Gebet und die innere Reflexion, um neue Lösungen zu finden. Heilung habe immer eine körperliche, eine emotionale und eine spirituelle Dimension. Für Prof. Traugott Roser, evangelischer Theologe und ehemaliger Professor für Spiritual Care in München, ist Spiritualität das, was der einzelne dafür hält. Ein spiritueller Mensch sterbe nicht unbedingt besser. „Jeder stirbt seinen ganz individuellen Tod“.

Dr. Stein Huseboe vom Universitätsklinikum Bergen in Norwegen kennt Situationen, in denen Religion und Glauben zum Problem werden können. „Die Menschen mit den meisten Problemen beim Sterben sind Theologen, Psychologen und Ärzte“, sagte der Mitbegründer der Europäischen Gesellschaft für Palliativmedizin. Auch wenn Angehörige aus religiösen Gründen eine Schmerzbehandlung ihrer Angehörigen ablehnten, sieht er das kritisch. In Krankheit und Sterben sei es sehr wichtig, Vertrauen haben zu können. Das werde im modernen Gesundheitssystem oft schwer gemacht, wenn Patienten in der Sterbephase immer wieder zwischen Zuhause und Krankenhaus hin und her geschickt würden. „Ihr in Deutschland lasst die Sterbenden nicht sterben, sondern haltet sie mit aller Kraft am Leben“, sagte Huseboe in Bremen.

In einem waren sich die Podiumsteilnehmer einig: Menschen spirituell zu begleiten ist nicht nur die Aufgabe von Seelsorgern. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankhäusern und Pflegeeinrichtungen oder Angehörige können Menschen spirituell zur Seite stehen. Angesichts der vielen Belastungen, denen Pflegekräfte heute schon ausgesetzt seien, sei es besonders wichtig ihnen Hilfen anzubieten. „Sie sollen keine hilflosen Helfer sein, sondern Helfer, die sich auch selbst aktiv Hilfe holen können“, sagte Roser.

Bilder (Martina Höhns):

  • Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, Dr. Almut Göppert, Dr. Stein Huseboe und Prof. Traugott Roser beim Podiumsgespräch am 8. Mai auf der Messe Leben und Tod.
  • Petra Detken, Elisabeth Rickermann und Florian Schneider am ökumenischen Stand der Kirchen auf der Messe Leben und Tod in Bremen.

Bremen (mh) Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 11.05.2015.