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14.07.2015

Bild (Martina Höhns): Pater Dr. Nikodemus Schnabel OSB in Bremen

Bildungsoffensive für Verständigung

Pater Nikodemus Schnabel OSB zur Situation von Christen in Isreal

 

Ein insgesamt eher düsteres Bild von der Situation der Christen in Israel hat Pater Dr. Nikodemus Schnabel OSB bei seinem Besuch in Bremen gezeichnet. Mit rund 2% der Bevölkerung seien  Christen eine kleine Minderheit gegenüber Juden und Muslimen.  In jüngster Zeit würden antichristliche Übergriffe zunehmen, besonders von Seiten nationalreligiöser Juden.  Pater Nikodemus spricht von 43 Anschlägen in den letzten fünf Jahren. Es gebe antichristliche Flugblätter, Spuckattacken und Graffiti, zerstochene Autoreifen und Brandanschläge. Bei dem letzten Brandanschlag am 18. Juni auf das Kloster Tabgha am See Genezareth seien zwei Menschen verletzt und viele traumatisiert worden.  Der Gesamtschaden an dem erst 2012 fertiggestellten Klostergebäude geht an die zwei Millionen Euro.

Die etwa 160.000 Christen in Israel gehörten rund 50 verschiedenen Konfessionen an. Zwischen ihnen gebe es aufgrund der antichristlichen Übergriffe mittlerweile eine Art „Leidensökumene“: Die verschiedenen christlichen Gruppen  würden heute stärker zusammenrücken. Besonders stark wachse die Gruppe der hebräisch sprechenden Christen. Das seien oft Frauen, die als Gastarbeiterinnen von den Philippinen oder aus Indien als Haushaltshilfen oder in der Altenpflege in Israel tätig sind und ihre Kinder. Diese Frauen und Kinder lebten häufig in sehr prekären Verhältnissen und seien oft sexueller Gewalt ausgesetzt. Ähnliches gelte für Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia und Äthiopien.

Bei seinem Vortrag im AtriumKirche am 11. Juli beschrieb Pater Nikodemus das Gefühl vieler Christen im Heiligen Land, zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Auf der einen Seite das enorme Sicherheitsbedürfnis Israels, das seinen Grund auch in der Erfahrung der Shoa habe. Auf der anderen Seite das Freiheitsbedürfnis der Palästinenser, die sich ihres Landes beraubt sehen. Zwar gebe es  kleine Splittergruppen proisraelischer Christen einerseits  und Christen, die sich mit der Hamas solidarisierten andererseits. Über beide Gruppen würde in den Medien überproportional viel berichtet. Die Mehrheit der Christen würde sich jedoch in ein freiwilliges Ghetto zurückziehen. Sie lebten in eigenen Straßenzügen und Wohnvierteln zusammen und bauten eine eigene parallele Infrastruktur auf, fast ohne Kontakt zu Juden und Muslimen. Da die Christen die am besten ausgebildete Bevölkerungsgruppe in Israel sind, würden viele das Land verlassen, um in den Vereinigten Staaten oder Deutschland zu arbeiten. Beides sieht Pater Nikodemus sehr kritisch:  „Es ist eine große Herausforderung, den Christen Zukunftsperspektiven im Land zu geben“.

Das Bedrohungsszenario durch den so genannten “Islamischen Staat“ werde auch durch die Berichterstattung der israelischen Medien, in denen Enthauptungen gezeigt würden, von vielen Christen als sehr bedrückend empfunden. Besonders kleine Kinder würden durch solche Bilder traumatisiert. Die meisten Opfer des „IS“ seien jedoch Muslime, sagte Pater Nikodemus in Bremen.

Die größte Gefahr für die Christen ginge von nationalreligiösen Splittergruppen aus, nicht von ultraorthodoxen Kreisen. Der Benediktinerpater verglich die Nationalreligiösen in Israel mit Rechtsradikalen in Deutschland. Die sogenannte „Preisschild-Bewegung“ extremistischer Siedler verübe Anschläge als Vergeltung für geräumte Siedlungen. Diesen fielen viele Muslime, aber zunehmend auch Christen zum Opfer, weil bekannt sei, dass sich Christen nicht durch Gegengewalt wehrten. Pater Nikodemus wünscht sich, dass der israelische Staat konsequenter gegen Täter aus dieser Splittergruppe vorginge.

Hoffnung geht für den Benediktinerpater von Bildungsinitiativen aus. So gebe es beispielsweise in Gaza drei christliche Schulen, die Kindern aus allen Religionen offen stehen. Gleiches gelte für die Schmidt-Schule in Jerusalem, in der christliche und muslimische Mädchen gemeinsam lernten. „Wir müssen noch mehr in Bildung investieren, um Neugier zu wecken und Vorurteile abzubauen“, sagt Pater Nikodemus in Bremen.

Bild (Martina Höhns): Pater Dr. Nikodemus Schnabel OSB in Bremen.

Das Foto kann von der Presse honorarfrei auch im Internet verwendet werden.

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 13.07.2015.