Aktuelle Mitteilungen

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als was du mir schenkst.

Hl. Katharina von Siena

25.01.2016

Dr. Birgit Behrensen / Fotos: Kath. Gemeindeverband Bremen

Flüchtlingskinder und ihre Eltern in der Kita

Vortrag über pädagogischen Umgang mit Fluchterfahrungen

Über den richtigen pädagogischen Umgang mit Fluchterfahrungen bei Flüchtlingskindern und ihren Eltern referierte die Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin Dr. Birgit Behrensen im Willehad-Saal in Bremen. „Das Thema brennt bei den Fachkräften“, bemerkte Christiane Kleen, die Fachberaterin für Kindertagesstätten beim Katholischen Gemeindeverband in Bremen, die den Vortrag organisiert hatte. Der Willehad-Saal war mit rund 140 Zuhörerinnen und Zuhörern komplett gefüllt und trotzdem konnten nicht alle Interessenten einen Platz bekommen.

Behrensen informierte die Besucher über die Perspektiven in der pädagogischen Arbeit mit Flüchtlingskindern. Viele waren direkt nach ihrer Arbeit in den verschiedenen Kita-Einrichtungen in Bremen zum Vortrag gekommen und hatten bereits berufliche Erfahrungen mit Flüchtlingsfamilien. Die Erlebnisse, die die Menschen bei der Flucht nach Europa machen, hinterlassen oft auch die Kinder mit traumatischen Erinnerungen und einem posttraumatischem Belastungssyndrom. So seien seit dem Jahre 2000 mindestens 23.000 Menschen entlang europäischer Grenzen gestorben, erläuterte Behrensen. Man müsse daher davon ausgehen, dass die Kinder davon etwas mitbekommen haben könnten. Auch andere Erlebnisse, wie die Erfahrungen von Hunger, Kälte und Gewalt oder das ständige Leben in Illegalität könnten die Kinder traumatisiert hinterlassen. „Hier kann Kita eine heilsame Rolle einnehmen.“, ermutigte die Referentin ihre Zuhörerinnen und Zuhörer.

Die Grundhaltung, die die Einrichtung nach außen trage sei auch für die Kinder verständlich, die kein Deutsch sprächen, erklärte Behrensen weiter. Beim Konzept der Pädagogik des sicheren Ortes komme es daher darauf an, eine geordnete, saubere und intakte Umgebung für die Kinder herzustellen, und durch feste Rituale und Ankündigungen eine geregelte Tagesstruktur zu geben. Darüber hinaus sei die Kommunikation mit den Eltern wichtig, da diese oftmals Verlustängste durch die Erfahrungen der Flucht hätten und den Einrichtungen nicht direkt vertrauen würden. Dabei seien Fotowände und bebilderte Aushänge eine gute Möglichkeit, Sprachbarrieren zu überwinden und auch die Kinder in die Kommunikation einzubinden. Außerdem sei es sinnvoll, die Kompetenzen der Eltern in die Arbeit einzubringen, beispielsweise als Dolmetscher auf Elternabenden.

Im Anschluss an den Vortrag tauschten die Zuhörerinnen und Zuhörer im Gespräch mit Dr. Birgit Behrensen ihre praktischen Erfahrungen aus der Arbeit mit Flüchtlingskindern und Flüchtlingsfamilien aus. So wurde festgestellt, dass die Eingewöhnungszeit für Kinder und Eltern von Fall zu Fall unterschiedlich ist. Nachrichten mit Bildern ihrer spielenden Kinder auf die Smartphones der Eltern konnten dabei genauso helfen wie eigene Räume für Eltern, die die Einrichtung aus Sorge um ihre Kinder nicht verlassen konnten. Ein weiteres Problem, das besprochen wurde war der Umgang mit hungrigen Flüchtlingskindern, die die Mahlzeiten nicht abwarten konnten. Dies könne auch mit den Erfahrungen von Hunger während der Flucht zusammenhängen. Behrensen rief die Zuhörerinnen und Zuhörer schließlich dazu auf, ihre Gedanken und Forderungen aus der täglichen Arbeit mit Flüchtlingsfamilien in die Politik zu tragen, da sie aus Sicht der Kinder argumentieren könnten: „Ihre Einrichtungen sind für Kinder wichtig, um zu heilen und weiterzukommen.“

Die Referentin Dr. Birgit Behrensen ist Sozial- und Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Osnabrück und im Vorstand des Netzwerkes traumatisierter Flüchtlinge in Niedersachsen. Der Bereich Migration und Bildung gehört seit langem zu ihren Forschungsschwerpunkten.

Die Präsentationsfolien zum Vortrag von Dr. Birgit Behrensen stehen online auf www.kiki-bremen.de  zum Download bereit.

Präsentation zum Vortrag

Bremen (cb) Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 14.01.2016.