Aktuelle Mitteilungen

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07.07.2014

Prälat Johannes Bieler verstorben

Seemannspastor, Polizeiseelsorger und Apostolischer Visitator

Ehemaliger Seemannspastor, Polizeiseelsorger und Apostolischer Visitator für Gläubige der Diözese Danzig kommt bei Verkehrsunfall ums Leben.

Am Freitag, dem 4. Juli 2014, kam Prälat Johannes Bieler in Hude durch einen tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Der 79jährige Geistliche war von 1977 bis 2004 Seemannspastor in Bremen und den oldenburgischen Unterweserhäfen Brake, Elsfleth und Nordenham. Papst Johannes Paul II. hatte den gebürtigen Danziger 1986 zudem zum Apostolischen Visitator für Priester und Gläubige der Diözese Danzig sowie zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt. Als solcher war er der ranghöchste katholische Geistliche in Bremen. Zuvor war Johannes Bieler als Pfarrrektor in Wangerooge, als Militärpfarrer in Emden und Wilhelmshaven sowie als Landes-Polizeiseelsorger tätig. Im Ruhestand lebte der Geistliche zusammen mit seiner Schwester in der Gemeinde Hude zwischen Oldenburg und Bremen.

Das Bistum Münster brachte das seelsorgliche Wirken von Johannes Bieler anlässlich seines 75. Geburtstags am 16. Juni 2010 auf die Formel: „Praktisch ein Bischof – und doch auch wieder nicht. Ein normaler Pfarrer – und doch auch wieder nicht.“

Johannes Bieler wurde als Sohn eines Volksschullehrers in Danzig geboren. Als Zehnjähriger entkam er mit seinen drei Geschwistern nur um Haaresbreite der Erschießung  durch russische Soldaten. Es folgten „neun Tage Flucht mit einem offenen Zug bei Frost nach Berlin, mit vielen Toten", wie Bieler in einem Interview berichtete. Nach der Vertreibung landete die Familie im westlichen Münsterland. Johannes Bieler besuchte die Oberschule in Ahaus und studierte Theologie. 1961 wurde er für das Bistum Münster zum Priester geweiht.

Über Rheine und Duisburg-Rheinhausen kam Bieler als Pfarrrektor in die Insel-Gemeinde von St. Willehad auf Wangerooge, wo er unter anderem für die 16 Erholungsheime zuständig war. Einmal wieder Seeluft geschnuppert, ließ ihn die See nicht mehr los. Achteinhalb Jahre fuhr er als Militärpfarrer mit Soldaten der jungen Bundesmarine von Emden und Wilhelmshaven aus zur See. 1977 ging er in der Hansestadt Bremen als Seemannspastor vor Anker. Außerdem übernahm er dort das Amt des Landes-Polizeiseelsorgers.

An seinem Arbeitsplatz in Walle, dem Souterrain eines Bremer Hauses in der Flensburger Straße, richtete er die Seemannsmission „Stella Maris“ ein. Da die Schiffe damals drei bis vier Tage im Hafen lagen, hatten die Seeleute Zeit, bei „Stella Maris“ vorbeizuschauen. Bieler rührte für seinen Kellerclub an Bord via Funkoffiziere, Bordarzt oder Krankenschwester die Werbetrommel. An Bord selbst wurde damals auch Gottesdienst gefeiert und mit den Seeleuten wurden Ausflüge nach Bremen und ins Umland unternommen.

Um einigen Seeleuten vorübergehend eine Bleibe anzubieten, zog Bieler 1982 ins Kolpinghaus in den Schnoor um. Hier konnte er zwölf Betten anbieten. 1990 zog er erneut um, diesmal direkt in den Hafen. Durch immer kürzere Liegezeiten der Schiffe wurde es für Seeleute komplizierter, den Hafen überhaupt zu verlassen. Bieler reagierte darauf mit der Anschaffung von „Speedy“ I und II, mobilen Seemannsheimen. Mit denen konnte sein Mitarbeiter Franz Wellerding beinahe direkt an die großen Schiffe heranfahren. Gottesdienste wurden nun kaum noch an Bord gefeiert.

Gottesdienste feierte Johannes Bieler jetzt mit „seinen“ Danziger Landsleuten. Papst Johannes Paul II. hatte ihn 1986 zum Apostolischen Visitator für Priester und Gläubige der Diözese Danzig sowie zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt. Der Osnabrücker Bischof Dr. Ludwig Averkamp führte ihn 1986 in der Propsteikirche St. Johann in Bremen feierlich in dieses Amt ein.

Das Amt war ein Produkt der vatikanischen Ostpolitik, mit der Papst Paul VI. auch die ostdeutsche Seelsorge neu ordnete. Dazu führte er "Apostolische Visitatoren" für die Vertriebenen ein, zum Beispiel für die Vertriebenen aus dem Erzbistum Breslau, aus dem Bistum Ermland,  der Prälatur Schneidemühl und eben auch für die Katholiken aus dem Bistum Danzig.

Der Titel „Apostolischer Visitator“ war in der deutschen Kirchengeschichte neu. Die Visitatoren waren Ordinarien, also Quasi-Bischöfe, ihrer Gläubigen im Gebiet der Bundesrepublik, aber sie besaßen keine Bischofsweihe.  Zu ihrer Unterstützung erhielten sie ein Konsistorium und einen Pastoralrat. Äußerlich zeichnete die Apostolischen Visitatoren die violetten Chor-Kleidung, Mitra, Brustkreuz und Ring aus. Prälat Bieler war somit der ranghöchste katholische Geistliche in Bremen.

Die Ernennung zum Apostolischen Visitator kam für ihn völlig überraschend, aber er übernahm dieses Ehrenamt gerne, obwohl er viel Zeit investieren musste. Er gab einmal im Monat einen Heimatbrief heraus, organisierte jährlich 16 Heimattreffen und führte eine große Adalbert-Wallfahrt zum Aachener Dom ein. Dorthin wallfahrte er mit „seinen“ Danzigern regelmäßig, um die Reliquie des Hl. Märtyrerbischofs Adalbert, der in Danzig umgebracht worden war, zu verehren.

Auf die polnischen Mitchristen ging Bieler immer mit ausgestreckter Hand zu. Er lud Bischöfe aus Polen zur Adalbert-Wallfahrt ein und besuchte im Geist christlicher Freundschaft mit Landsleuten die alte Heimat, wo er mit großer Freude und Dankbarkeit immer wieder „die überbordende polnische Gastfreundschaft" erlebte, wie er es formulierte.

2004 wurde Prälat Bieler als Seemannspastor verabschiedet. Der Hamburger Alt-Erzbischof Ludwig Averkamp, der zugleich Präsident des Apostolats des Meeres war, erklärte aus diesem Anlass, Bielers Ziel sei es immer gewesen, „den Seeleuten eine Heimat zu geben.“ Dabei halfen ihm sein Humor und seine Kontaktfreudigkeit. Mit der Gewerkschaft zusammen setzte er sich für die Rechte der gastarbeitenden Seeleute an Bord von Schiffen ein. Um deren Kontakt zur Heimat nicht abreißen zu lassen, ließ er sie in der Seemannsmission telefonieren und zu Weihnachten brachten er und sein Assistent Wellerding immer eine Tüte mit Geschenken an Bord.

Für Johannes Bieler und sein Team zählte nicht, ob jemand Christ, Jude, Moslem oder Hindu war. Alle waren gleich willkommen. Auch mit Kommunisten hatte er keine Berührungsängste und besuchte wenn es möglich war auch sowjetische oder kubanische Schiffe.

Prälat Johannes Bieler lebte im Ruhestand mit seiner Schwester in der Gemeinde Hude zwischen Oldenburg und Bremen.

Text: Wilhelm Tacke/ Franz Josef Scheeben/ Martina Höhns

Das Requiem findet statt am Samstag, dem 12. Juli 2014 um 10:00 Uhr in der St.-Marien-Kirche zu Hude, Breslauer Straße 18, anschließend Beisetzung.

Beerdigungsinstitut Backhus, Hude

Bild (Franz Josef Scheeben): Prälat Johannes Bieler mit einer Hansekogge im Hintergrund.

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 07.07.2014.