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01.04.2016

"Ganz weit draußen"

Die Eremitin Maria Anna Leenen liest aus ihrem neuen Roman und erzählt aus ihrem Leben

Tessa ist unzufrieden mit ihrem Leben. Sie hat Stress bei der Arbeit und auch die Beziehung zu ihrem Freund verläuft anders, als sie es sich wünscht. Bei einer Fahrradtour trifft Tessa durch Zufall auf Marie, die als Einsiedlerin im Wald lebt. Für Tessa beginnt so eine spannende Reise zu sich selbst, bei der sie entdeckt, dass die Stille etwas in ihr auslöst.

Am vergangenen Donnerstag (31.03.) hat die Eremitin Anna Maria Leenen im AtriumKirche aus ihrem neuen Roman „Ganz weit draußen“ gelesen. Die Geschichte über die unzufriedene Tessa und die Eremitin Marie enthält auch autobiographische Passagen aus dem Leben Leenens. Mit dem Wunsch nach dem großen Geld in kurzer Zeit erlebte die gebürtige Osnabrückerin mit Ende zwanzig auf einer Büffelfarm in Venezuela eine Sinnkrise, die sich mit der ihrer Romanfigur Tessa vergleichen lässt. Als sie ein Buch über Marienerscheinungen liest, habe der Satz „Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben“ eine 180-Grad-Wende in ihrem Leben ausgelöst, erzählt die heute 60-Jährige vor gut 40 Zuhörern in Bremen.

Leenen konvertierte zur katholischen Kirche und trat ins Kloster ein. Hier spürte sie die Berufung zum eremitischen Leben immer stärker. So zog sie vor über 20 Jahren in ein altes Bauernhaus, nördlich von Osnabrück und weit entfernt vom nächsten Dorf. Hier zwischen Ankum und Bippen lebt sie mit zwei Katzen und acht Ziegen.

Als „offizielle Diözesaneremitin“ hat Leenen 2003 vor dem Bischof von Osnabrück ihre ewigen Gelübde abgelegt und versprochen ein Leben in Armut, eheloser Keuschheit, in Gehorsam und in ihrem Fall auch in Zurückgezogenheit zu leben.

Ihr Tag beginnt in der Regel zwischen 5.30 Uhr und 6 Uhr: Beim Gebet in ihrer kleinen Kapelle stimmt sie sich auf den Tag ein. „Im Winter ist es allerdings oft so kalt, dass in vor dem Ofen bete“, berichtet die temperamentvolle Frau. Danach werden die Tiere gefüttert bevor sich Leenen einen Kaffee und ein Frühstück gönnt. Als Einsiedlerin betet Leenen das große Stundengebet der Kirche, das so genannte Brevier. Das beginnt mit dem Morgenlob, der Laudes. Dazu kommt die Meditation über Texte aus dem Evangelium und viel stille Zeit. Der Vormittag ist ihrer Arbeit als Schriftstellerin gewidmet. Gut 20 Bücher hat die Eremitin bereits geschrieben, die aus einer Schriftstellerfamilie stammt. Durch den Verkauf ihrer Bücher und von ihr gestalteter Kerzen verdient sie ihren Lebensunterhalt.

Kurz vor 12.00 Uhr geht es dann wieder in die Kapelle für das Mittagsgebet und eine Schriftbetrachtung. Das Mittagessen ist häufig einfach, denn Kochen gehört nicht unbedingt zu den Stärken der Einsiedlerin. Nachmittags arbeitet Leenen im Garten und am Haus oder empfängt Besucher, die sich für ein Gespräch angemeldet haben. Zwischen 17 Uhr und 17.30 Uhr füttert sie die Tiere und betet dann in der Kapelle die Vesper, das Abendgebet. Danach gibt es ein ausgiebiges Abendessen. In den Abendstunden checkt Leenen ihre Mails und schaut am Computer die Tagesschau in 100 Sekunden, wenn denn das Modem funktioniert. „Um 22.30 Uhr versuche ich im Bett zu sein“ erzählt die Einsiedlerin.

Zu jung sollte man sich nicht für ein Leben als Einsiedler entscheiden, ist Leenen überzeugt. „Wir sind auf der Suche nach Orten, wo Menschen ein Leben als Eremiten ausprobieren können, denn einige spüren nach ein bis zwei Jahren, dass so ein Leben doch nichts für sie ist“. Zwischen 30 und 35 ist ihrer Überzeugung nach ein gutes Eintrittsalter. Auch geistliche Vorerfahrungen und eine gute geistliche Begleitung hält sie für unverzichtbar.

In Deutschland leben zwischen 80 und 90 Menschen als Eremiten, die meisten von ihnen sind katholisch. Aber Maria Anna Leenen kennt auch evangelisch-lutherische und eine reformierte Eremitin. Alle drei Jahre gibt es ein europäisches Vernetzungstreffen für den deutschsprachigen Raum.

Während es in Süddeutschland noch viele alte Klausen gibt, in denen Eremiten heute leben können, sind die Klausen in Norddeutschland nach der Reformation fast vollständig verschwunden. „Hier leben Eremiten jetzt in alten Bauernhäusern, Holzhütten oder auch in Containern“, berichtet Leenen. „Oft dauert es sehr lange, bis eine Eremitin ihren Ort gefunden hat“.

Durch die Stille wurde ein Prozess angestoßen, der auch ihre alten inneren Verwundungen ans Tageslicht gebracht hat, berichtet Leenen bei der Lesung im Atrium Kirche. Stolpersteine im Leben seien auch durch ihre Berufung als Einsiedlerin nicht einfach verschwunden. Der geistliche Weg sei ein permanenter Prozess. Sie hofft darauf, das Leben als Einsiedlerin bis an ihr Lebensende weiterzuführen zu können.

Die Romanfigur Tessa erkennt im Laufe der Geschichte ihre Sehnsucht nach Gott, die sie lange geleugnet hat. Nach ihrer Zeit bei der Einsiedlerin Marie kann sie daher nicht einfach in ihr altes Leben zurückkehren. Wie die Geschichte weitergeht, steht in Maria Anna Leenens Roman „Ganz weit draußen“, der im März im ADEO-Verlag erschienen ist und 17,99 Euro kostet.

Bild (Katholischer Gemeindeverband in Bremen / Christoph Brüwer): Bücher von Maria Anna Leenen.

Bremen (cb/mh)Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 01.04.2016.