Aktuelle Mitteilungen

Aktuelle Mitteilungen

Prüft alles,
und behaltet
das Gute.

1 Thess 5,21

26.10.2016

Pater Sebastiano D’Ambra / Foto: Kath. Gemeindeverband - Christoph Brüwer

Einsatz für Dialog und Frieden zwischen Christen und Muslimen auf den Philippinen

Vortrag von Pater Sebastiano D’Ambra in St. Thomas

Mit kurzen Filmsequenzen stellte Pater Sebastiano D’Ambra am 17. Oktober im Gemeindezentrum St. Thomas in Bremen sein Dialogprojekt auf den Philippinen vor. Seit 1977 lebt und arbeitet der italienische Missionar dort, um Frieden und Toleranz zwischen Christen und Muslimen zu schaffen.

„Es war ein Muss, zu helfen“, so beschreibt Pater Sebastiano die Motivation für seine Arbeit auf der Insel Mindanao im Süden der Philippinen. Seit den 1970er Jahre strebten islamistische Rebellen die Unabhängigkeit dieses mehrheitlich muslimischen Teils an. 2013 sei die Stadt Zambuanga, in der er lebe, zuletzt von Rebellen eingenommen worden. Viele Häuser und kirchliche Gebäude seien bei den Kämpfen zerstört worden, berichtet der Missionar. Der blutige Konflikt habe bis heute 150.000 Tote gefordert und Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben.

1987 gründete er daher mit muslimischen und christlichen Freunden die Silsilah-Bewegung, um den Dialog zwischen den Anhängern der Religionen zu fördern. „Silsilah“ ist arabisch und bedeutet „Kette“ oder „Verbindung“. Hiermit seien eine Verbindung der Menschen zu Gott und gleichzeitig eine Verbindung der Menschen untereinander gemeint, erklärt Pater Sebastiano den knapp 30 Zuhörern im Gemeindezentrum. Ziel der Gemeinschaft sei das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen in Respekt und Liebe. Hierzu gründete die Silsilah-Bewegung das sogenannte „Harmoniedorf“ in einem Wald in der Nähe von Zambuanga. Pater Sebastiano zeigte Film-Ausschnitte aus der Begegnungsstätte, in der Seminare, Trainings und Workshops vor allem für junge Menschen stattfinden. Auch Schulen sind in das Dorf integriert. Austauschprogramme zwischen christlichen und muslimischen Familien sollen das gegenseitige Verständnis fördern.

Trotz dieser Erfolge und der Anerkennung für die Silsilah-Bewegung gebe es aber immer noch radikale Rebellengruppen, die ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen verhindern wollten, erklärt Pater Sebastiano. Diese terroristischen Minderheiten behaupteten, dass Frieden nur möglich sei, wenn es eine Religion, nämlich den Islam gäbe. Dies präge das Bild, obwohl ein Großteil der Muslime ein friedliches Miteinander mit Christen wünsche. Diese Befürworter würden aber von den Rebellen unter Druck gesetzt. 1992 wurde ein Mitbruder der Bewegung von radikalen Rebellen auf offener Straße erschossen und auch das Leben von Pater Sebastiano sei wiederholt in Gefahr gewesen. Trotzdem wolle die Silsilah-Bewegung ihre Arbeit weiterführen und Zeichen der Hoffnung setzen.

Im Gespräch mit den Zuhörern zeigte Pater Sebastiano Möglichkeiten auf, auch in Deutschland aktiv zu werden. Neben Spenden sei es hilfreich, positive Beispiele für interreligiösen Dialog aufzubauen, um zu zeigen, dass ein friedliches Zusammenleben auch in anderen Ländern möglich sei und um Ideen austauschen zu können. Der Geist der Silsilah-Bewegung könne so weitergetragen werden. Der Vortrag endete mit dem gemeinsamen „Gebet für die Einheit“, das die Silsilah-Bewegung verfasst und in viele Sprachen übersetzt hat und das Gläubige aus unterschiedlichen Religionen gemeinsam beten können.

Die Philippinen bestehen aus mehr als 7000 einzelnen Inseln, die nur zum Teil bewohnt sind. Über 80 Prozent der etwa 100 Millionen Einwohner sind Christen, Muslime leben vor allem in südlichen Teil der Philippinen. Durch die staatliche geförderte Zuwanderung von Christen aus den übervölkerten nördlichen Landesteilen in den 1950er Jahren verloren Muslime und indigene Bevölkerungsgruppen ihr Land. Dies war der Auslöser für jahrzehntelange Konflikte zwischen bewaffneten Rebellengruppen und der Regierung um die Unabhängigkeit des südlichen Landesteiles. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung auf den Philippinen lebt in ärmlichen Verhältnissen, ein Viertel sogar in extremer Armut. Viele Kinder haben keine Schulbildung und sind wie Frauen Unterdrückung und Missbrauch ausgesetzt. Die Philippinen sind Partnerland beim diesjährigen Sonntag der Weltmission, der in Deutschland immer am vierten Sonntag im Oktober stattfindet. Am Sonntag der Weltmission spenden Gläubige in rund 100 Ländern für die Arbeit der etwa 1100 ärmsten Diözesen der Welt.

Pater Sebastiano D’Ambra ist auf Einladung des katholischen Hilfswerks missio zu Gast in Deutschland und ist noch bis zum 23. Oktober im Bistum Osnabrück unterwegs, um von seiner Arbeit und seinen Erfahrungen zu berichten.

Foto (Christoph Brüwer): Pater Sebastiano D’Ambra stellte sein Dialog-Projekt in St. Thomas vor.

Bremen (cb) Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 19.10.2016.