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1 Thess 5,21

10.10.2016

Prof. Dr. Hans-Georg Aschoff / Foto: Kath. Gemeindeverband - Chr. Brüwer

„Katholisch in der frühen Neuzeit“

Vortrag von Prof. Dr. Aschoff zur katholischen Gemeinde in Bremen

Um das Leben der Katholiken in der Frühen Neuzeit in Bremen ging es bei einem Vortrag von Prof. Dr. Hans-Georg Aschoff am 10. Oktober im Willehad-Saal. Vor rund 80 Zuhörern beschrieb der Professor für Neuere Geschichte und Kirchengeschichte am Historischen Seminar der Leibniz-Universität Hannover wie katholisches Leben zwischen 1522 bis 1816 in der Hansestadt aussah.

Aschoff zeigte auf, wie die Reformation 1522 durch die Predigten des niederländischen ehemaligen Augustiner-Eremiten Heinrich von Zütphen nach Bremen kam. Die Bremer Bevölkerung, unzufrieden mit den Vorrechten für Kleriker und der weltlichen Macht des Erzbischofs, schloss sich schnell seiner Lehre an. Der Senat ignorierte so den Befehl des Bremer Landesherrn Erzbischof Christoph von Braunschweig-Wolfenbüttel, von Zütphen auszuliefern. Im Lauf der Reformation wurde das katholische Leben in Bremen immer mehr in den Hintergrund gedrängt, Ordensleute wurden vertrieben und ab 1532 waren auch im Dom katholische Gottesdienste nicht mehr möglich. Spätestens nach dem Übergang der Stadt zum Calvinismus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war katholisches Leben in Bremen so gut wie erloschen.

Mit dem Linzer Diplom vom 1646 wurde die Freiheit und Reichsunmittelbarkeit Bremens bestätigt. Ein kaiserlicher Resident kam nach Bremen, der als Katholik das Recht auf private und freie Religionsausübung besaß, eine Kapelle einrichten und einen Geistlichen anstellen durfte. Dies war ein neuer Ansatzpunkt für katholisches Leben in Bremen. 1648 kam aus diesem Grund zunächst ein Jesuitenmissionar nach Bremen. Später, als in Bremen eine ständige Missionsstation eingerichtet war, waren durchgängig zwei Jesuiten in der Stadt ansässig, die bis 1774 oft im Geheimen die Seelsorge für die katholische Bevölkerung leisteten. Taufen und Trauungen wurden abgehalten, die Stolgebühren mussten aber an die zuständigen evangelischen Priester entrichtet werden. Die Missionare konnten kein Pfarrecht erwerben und waren nominell weiterhin „Hausgeistliche“ des kaiserlichen Residenten.

Für Katholiken war es trotz allem zunächst nicht möglich, das Bürgerrecht zu erwerben. Viele waren Migranten aus einfachen Verhältnissen. Sie konnten kein eigenes Grundstück erwerben oder ein eigenes Geschäft eröffnen. Auch Handel war ihnen verboten. Der Aufenthalt in der Stadt war für sie daher schwierig. Die „Schutzfreiheit“ für länger ansässige Katholiken war nur durch ein teures Schutzgeld zu erwerben. Eine Änderung zeichnet sich erst durch den Ratsbeschluss von 1807 ab, durch den eine Gleichstellung der katholischen Einwohner festgeschrieben wird. Eine neue Kirche erhält die wieder wachsende katholische Gemeinde 1816 mit der alten Franziskanerkirche St. Johann. Die 1747 eingeweihte Michaeliskapelle im Eschenhof, dem Sitz des kaiserlichen Residenten war zu klein geworden.

Prof. Dr. Hans-Georg Aschoff ist Professor für Neuere Geschichte und Kirchengeschichte am Historischen Seminar der Leibniz-Universität Hannover. Den nächsten Vortrag zur Ausstellung hält Wilhelm Tacke am 24. Oktober um 19 Uhr im AtriumKirche in der Hohen Str. 7. Das Thema lautet dann „Der Weg zum eigenen Gotteshaus“. Die Ausstellung „Glaubensgeschwister. 1816 – Neubeginn der katholischen Gemeinde in Bremen“ ist noch bis zum 24. November im Dom-Museum in Bremen zu sehen.

Bremen (cb) Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 11.10.2016.