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des Lebens.

Joh 6,48

27.10.2016

Martina Kreidler-Kos / Foto: Kath. Gemeindeverband Bremen - Christoph Brüwer

Familie – vielfältig und unersetzlich

Martina Kreidler-Kos erklärt nachsynodales Schreiben „Amoris Laetitia“

Im Rahmen des Katholischen Forums stellte Martina Kreidler-Kos am 27. Oktober das nachsynodale Schreiben „Amoris Laetitia“ vor. Anschließend diskutierte sie mit ihren Zuhörern über die Neuerungen und die Folgen des Schreibens von Papst Franziskus für katholische Familien.

„Man muss schon fast ein Perlentaucher sein, um das Neue und das Wichtige in einem kirchlichen Schreiben zu finden - und Frau Kreidler-Kos ist eine sehr gute Perlentaucherin“, stellte Magda Ehmke, die Leiterin des Katholischen Bildungswerks in Bremen die Referentin vor. Kreidler-Kos betonte, dass es wichtig sei, „Amoris Laetitia“ aufzugreifen und sich damit auseinanderzusetzen, da viele Katholiken nur durch die mediale Berichterstattung über den Inhalt des Schreibens wüssten und vielfach der Eindruck entstanden sei, dass es keine Neuerungen enthalte.

In den Fragebögen zur Vorbereitung der beiden Familiensynoden 2014 und 2015 sei die Kluft zwischen Lehre und Leben der Gläubigen deutlich geworden. Der Papst habe sich aber nicht über die Ergebnisse beklagt, sondern die Fragen und Besorgnisse der katholischen Familien als kostbar und wertvoll aufgenommen. Mit „Amoris Laetitia“ habe Papst Franziskus daher auch für einzelne Familien eine Hilfestellung schaffen wollen. „‚Amoris Laetitia‘ ist über weite Strecken ein kleiner Erziehungsratgeber“ erklärte Kreidler-Kos eine Dimension des nachsynodalen Schreibens. Die Intention sei, dass die Kirche ihre Gläubigen nicht überwachen, sondern mit ihnen in Verbindung bleiben sollte. Dies drücke bereits der erste Satz von „Amoris Laetitia“ aus: „Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche.“ Der Papst habe den Kirchen in den verschiedenen Ländern daher den Arbeitsauftrag erteilt, neue wirkungsvolle Vorschläge zu entwickeln, die Lehre und pastorale Herausforderungen vor Ort vereinten, so Kreidler-Kos.

Die Referentin griff anschließend die Kernaussagen und wichtigsten Punkte aus den verschiedenen Artikeln des Schreibens heraus. So übe Papst Franziskus im zweiten Kapitel Gesellschaftskritik und auch Selbstkritik an der Kirche. Die Familie kritisiere er aber nicht, sondern schätze sie vielmehr wert, indem er schreibe: „Ein aufmerksamer Blick auf das tägliche Leben der Männer und Frauen von heute zeigt unmittelbar den Bedarf an einem kräftigen Schuss Familiengeist, der überall besteht.“ Die Liebe solle darüber hinaus der Ort sein, an dem mit jemandem, der etwas Gutes erreicht habe gefeiert werde, so habe der Papst in Kapitel 4 ausgeführt. Die meiste Beachtung habe allerdings das achte Kapitel gefunden, mutmaßt Kreidler-Kos. Hier gehe es unter dem Titel „Die Zerbrechlichkeit begleiten, unterscheiden und eingliedern“ um Trennung und Scheidung. Das Zauberwort sei hier „unterscheiden“: Das bedeute, dass konkrete Situationen und Beziehungen gestuft angeschaut werden sollten und ein kirchliches Schwarz-Weiß-Denken abgelöst sei. Priester sollten moralische Gesetze daher nicht anwenden, als seien sie Steine, „die man auf das Leben der Menschen wirft“, zitierte Kreidler-Kos aus „Amoris Laetitia“. Dies bedeute nach Auffassung von Frau Kreidler-Kos konkret, dass es auch für Geschiedene möglich sei, das Sakrament der Kommunion zu erhalten. Allein dies sei eine entscheidende Neuerung der Lehre durch „Amoris Laetitia“.

Kreidler-Kos fasste das Schreiben schließlich als den „bestmöglichen Kompromiss“ zusammen. Dem Papst sei es mit „Amoris Laetitia“ gelungen, die Einheit der Kirche aufrechtzuerhalten und trotzdem einen Schritt voran zu machen. Die Tatsache, dass die deutschen Bischöfe noch kein Hirtenwort zu Ehe und Familie verfasst hätten, zeige ebenfalls, dass durch das Schreiben viel passiert sei und es nicht einfach sei, eine Einigung zu finden, erklärte sie in der anschließenden Diskussion. Dies sei jedoch auch schade, da den Gläubigen Einiges vorenthalten werde. Kreidler-Kos ermunterte daher die knapp 20 Zuhörer zum Schluss: „In diesem Sinne: Lesen Sie ‚Amoris Laetitia‘!“

Martina Kreidler-Kos ist Diözesanreferentin der Frauenseelsorge, Ehe- und Familienseelsorge im Bistum Osnabrück und Lehrbeauftragte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster im Bereich Theologie der Spiritualität.

Foto (Christoph Brüwer): Martina Kreidler-Kos sprach im Rahmen des Katholischen Forums über das Schreiben „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus.

Bremen (cb) Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 28.10.2016.