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Da sahen sie,

dass der Stein vom Grab

weggewälzt war.

Lk 24,2

27.10.2016

„Der Weg zum eigenen Gotteshaus“

Vortrag von Wilhelm Tacke über Neubeginn der katholischen Gemeinde in Bremen

Über den Weg der Bremer Katholiken zum eigenen Gotteshaus berichtete der Publizist Wilhelm Tacke am 24. Oktober im AtriumKirche. Vor knapp 80 Zuhörern erzählte er anekdotenreich vom Neuanfang der katholischen Gemeinde zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

„Unsere katholischen Untertanen sind die besten von der ganzen Welt!“ zitierte Tacke zu Beginn den ehemaligen Bremer Bürgermeister Johann Smidt und relativierte dessen Aussage: Die Betonung liege auf „Untertanen“, denn die damaligen katholischen Missionare taten alles, was Bürgermeister und Rat von ihnen verlangten, erklärte Tacke. Eine solche Aussage sei zur Zeit der ersten katholischen Missionare in Bremen jedoch undenkbar gewesen. Diese hätten vor allem unter dem Schutz des katholischen Kaiserlichen Residenten gestanden und als dessen Hausgeistliche offiziell Gottesdienste für seine Familie und Hausgesellschaft gehalten. Zu diesen Gottesdiensten seien dann aber auch andere Katholiken der Stadt gekommen.

„Mithin müssen die Katholiken zwischen 1646 und 1746 insgesamt 12 Mal umziehen, bevor sie 1823 in St. Johann eine dauerhafte Bleibe erhalten“, fasst Tacke die Probleme bei der Suche nach einem geeigneten Kirchenraum in Bremen zusammen. Die St. Michaels-Kapelle im Garten des Eschenhofs, dem Sitz des damaligen kaiserlichen Residenten, sei um 1806 herum schon zu klein gewesen. Bei den Gottesdiensten mussten die Gläubigen schon vor der Tür stehen. Die Lage der Katholiken in Bremen habe sich 1806 durch die napoleonische Besatzung Bremens allerdings auch entscheidend geändert: der kaiserliche Resident wurde abgesetzt, die Rechte der Katholiken vom Rat aber nicht weiter eingeschränkt. Vielmehr sei der Rat zu Toleranz bereit gewesen und habe sogar vier verschiedene Kirchen als neues Gotteshaus angeboten, um Bestimmungen der Franzosen zuvor zu kommen: St. Katharinen, Unser Lieben Frauen, St. Martini und die St. Johannis-Kirche. Durch die Niederlage Napoleons in der „Völkerschlacht“ bei Leipzig sei dieses Vorhaben aber nicht in die Tat umgesetzt worden.

Trotzdem sei den Katholiken 1807 der Zugang zum Bürgerrecht ermöglicht worden und mit dem Beitritt Bremens zur Deutschen Bundesakte 1815 seien alle drei christlichen Konfessionen in politischer und religiöser Hinsicht gleichgestellt. 1816 baten 11 Mitglieder der Katholischen Gemeinde den Senat um ein passendes Gottesdienstgebäude, da der Senat plante, ein neues Schulgebäude im Eschenhof zu errichten. Die Katholiken hätten sich dann für die seit geraumer Zeit leer stehende ehemalige Franziskanerkirche St. Johann entschieden, „um Zoff zu vermeiden“, wie Tacke vermutet. Um besser mit dem Rat verhandeln zu können, wählten die Katholiken Anfang Oktober 1816 daher fünf katholische Kaufleute als Kirchenvorsteher. Diese waren auch damit beschäftigt, Sponsoren für die Finanzierung der Renovierung und den Umzug aus dem Eschenhof aufzutreiben. Am 17. Oktober 1823 sei die Kirche schließlich durch den Paderborner Generalvikar Cornelius Richard Dammers eingeweiht worden, zur Freude der rund 2000 Bremer Katholiken. „Exakt 175 Jahre nach dem Westfälischen Frieden verfügen sie endlich über eine eigene Kirche, die erste seit der Reformation“, fasst Tacke schließlich zusammen.

Der letzte Begleitvortrag zur Ausstellung „Glaubensgeschwister. 1816 – Neubeginn der katholischen Gemeinde in Bremen“ findet am 14. November um 19.00 Uhr im Gemeindesaal St. Marien in Walle statt. Hermann Queckenstedt, Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück, wird dann über den „roten Pastor“ Hermann Lange referieren. Die Ausstellung kann noch bis zum 24. November im Dom-Museum Bremen besichtigt werden.

Foto Kath. Gemeindeverband (Christoph Brüwer): Wilhelm Tacke mit seinem Buch „Die Mär von den toleranten Bremern – oder der weite Weg zu Toleranz, Respekt und Ökumene“, in dem er ausführlich über die Bremer Kirchengeschichte berichtet.

Bremen (cb)Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 27.10.2016.