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16.06.2017

Martin Luther und Papst Franziskus

Holger Dörnemann über zwei Reformatoren

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 16.06.2017

„Ein Prozess, der Zeit braucht“
Vortrag über Gemeinsamkeiten von Papst Franziskus und Martin Luther

Dörnemann am 13. Juni die Gemeinsamkeiten zwischen Papst Franziskus und Reformator Martin Luther auf. Bei der Kooperationsveranstaltung des katholischen und des evangelischen Bildungswerks Bremen beschrieb der Kirchenpädagoge, wo man Parallelen zwischen beiden Kirchenmännern ziehen kann.

„Wird hier etwas Ungleiches verglichen? Ich meine nein“, erklärte Dörnemann den rund 50 Zuhörern Willehad-Saal der St.-Johannis-Schule. In der katholischen Kirche sei gerade vielmehr etwas zu erleben, das mindestens den Namen „Reform“ verdient habe. Der Kirchenpädagoge zeigte anhand von Zeitungsausschnitten und Nachrichtesequenzen, wie die verschiedenen Veränderungen seit der Papstwahl medial wahrgenommen wurden. Die Reaktionen reichten von Zufriedenheit bis Enttäuschung. Diese Pluralität der Meinungen auch innerhalb der Kirche sei Franziskus besonders wichtig, betont Dörnemann. Der Papst habe deshalb auch die Abstimmungsergebnisse der Synoden veröffentlicht.

Die größte Schwierigkeit für den Pontifex liege darin, die Kirche zu reformieren, ohne dass sie auseinanderfalle. Aus diesem Grunde wolle Franziskus auch keine zu schnellen Veränderungen. „Das ist nicht der Weg, den Papst Franziskus geht. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht“, so Dörnemann.  Es komme jetzt aber darauf an, die Veränderungen auch kirchenrechtlich festzuschreiben, damit sie nach dem derzeitigen Pontifikat nicht wieder in Vergessenheit gerieten, ist der Theologe überzeugt. 

Die größte Gemeinsamkeit zwischen Papst Franziskus und Martin Luther sehe er jedoch bei der Betonung der Barmherzigkeit. Franziskus habe genau ein Jahr nach seiner Wahl zum Papst das Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen und sein Wahlspruch „miserando atque eligendo“ (aus Barmherzigkeit erwählt) zeige bereits diese Bedeutung für ihn. Martin Luther habe ebenfalls die Frage umgetrieben, wie ein barmherziger und gnädiger Gott denkbar sei und er habe sich deshalb immer wieder mit Buße und Gnade beschäftigt. In einem Erleuchtungserlebnis beim Studium des Römerbriefs sei ihm dabei die Erkenntnis gekommen, dass der Mensch alleine durch die Gnade Gottes das ewige Leben erlangen könne.

„Man kann sich über den Titel Reformator streiten“, fasste Dörnemann zusammen. Die Kraft der Botschaft von Glaube, Barmherzigkeit und Liebe sei aber bei Franziskus und Luther deutlich zu erkennen.

Holger Dörnemann leitet das Referat für Ehe, Familie und Glaubensvermittlung im Erzbischöflichen Generalvikariat Köln. Der gebürtige Wuppertaler studierte Theologie, Psychologie und Philosophie in Bonn und Fribourg. In München habilitierte er im Fachgebiet „Religionspädagogik und Katechetik“. Dort ist Dörnemann seitdem als Privatdozent tätig. 2012 wurde der habilitierte Theologe zum Berater der Kommission für Ehe und Familie (XI) der Deutschen Bischofskonferenz ernannt. Als solcher hat Dörnemann die beiden Familiensynoden 2014/2015 als Beobachter verfolgt und in seinem Blog darüber berichtet. Darüber hinaus ist Dörnemann Vorsitzender des Bundesverbandes Ökumenische Kirchenpädagogik.

Foto (Christoph Brüwer): Holger Dörnemann referierte im Willehad-Saal über die Gemeinsamkeiten von Papst Franziskus und Martin Luther.