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01.09.2017

Engagement verändert sich

Prof. Hans Hobelsberger beim Studientag "Zukunft der Jugendpastoral" in Bremen

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 31.08.2017

„Engagement wird nicht weniger, aber es verändert sich“
Pastoraltheologe Hans Hobelsberger beim Studientag mit Jugendseelsorgern in Bremen

Bremen (mh) Immer mehr Jugendliche engagieren sich ehrenamtlich. Aber sie tun es anders als vor zwanzig Jahren. Heute spielt die Geselligkeit eine geringere Rolle, aber Freiwilligendienste, das Engagement bei Projekten, Events oder Sozialpraktika stehen weiter hoch im Kurs. „Was bringt mir das?“ sei dabei eine wichtige Frage. Davon ist Prof. Dr. Hans Hobelsberger überzeugt. Der Pastoraltheologe hatte sich einen ganzen Tag  Zeit genommen, um mit Bremer Jugendseelsorgern im Lidice Haus zum Thema „Zukunft der Jugendpastoral“ zu arbeiten.

„Das Problem sind nicht die Menschen, sondern die Institutionen“. Mit dieser These startete der Rektor der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Paderborn in den Studientag. Noch immer sei es das Ziel vieler pastoraler Mitarbeiter, „Menschen dauerhaft zu vergemeinschaften und an die Kirche zu binden“.  Dabei sei das Modell einer Kirche, die in Mitgliedschaft und Beteiligung denke, seiner Meinung nach ungenügend.

Er riet den Bremer Seelsorgerinnen und Seelsorgern dahin zu gehen, wo Menschen mit existentiellen Grundfragen konfrontiert werden. Das seien je nach Altersgruppe unterschiedliche Orte, Anlässe und Gelegenheiten. Für Hobelsberger steht fest: „Die Aufgabe von Kirche und Pastoral ist die Begegnung, Konfrontation und Vermittlung von Existenz und Evangelium um der Menschen willen“.

Ganz bewusst hat Hobelsberger nicht nur Christen im Blick: „Gott ist Mensch geworden, nicht Christ“, sagt er. Das, was gemeinhin unter „christlichem Engagement“ verstanden werde, werde nicht nur von Christen geleistet. Der Pastoraltheologe ist überzeugt: „Kirche muss nicht alles selber machen“. Vielmehr sollten die Jugendseelsorger verstärkt mit anderen Organisationen zusammenarbeiten.

Dabei käme der Persönlichkeit und der Authentizität der Seelsorger eine entscheidende Rolle zu: „Man kann es sich als pastoraler Mitarbeiter nicht leisten, sich von der Botschaft der Kirche zu distanzieren“, so der Pastoraltheologe. Es sei eine besondere Kunst, so vom Evangelium zu erzählen, dass von eigenen Erfahrungen berichtet werde. Hobelsberger nennt das „die große Geschichte von Gott in der kleinen Geschichte der Menschen erzählen“. Dabei ist ihm wichtig, nicht in den Modus des Besserwissens zu fallen.  Das Evangelium sollte in einer an die jeweilige Situation angepassten Sprache „vorgeschlagen“ werden: „Das Wort Gottes spricht Dialekt“, sagt Hobelsberger.

In einer unsicheren Welt hätten bei vielen Jugendlichen Familie und Bildung einen besonders hohen Stellenwert. Es ginge darum, die eigene Biografie zu gestalten und tragfähige Beziehungen aufzubauen. Ziel einer „subjektorientierten“ Pädagogik ist nach Hobelsberger ein „selbstbestimmtes, selbstbewusstes und selbstverantwortetes Leben in sozialer Gemeinschaft“. Notwendig dafür seien Wertschätzung und Anerkennung, Zumutung und Zutrauen, Partizipation und Kooperation sowie Engagement. Er riet dazu, die Jugendlichen nicht mit Dingen zu belästigen, die sie nicht tun wollen.

Damit Sozialisation und gesellschaftliche Integration gelingen, müssten sich Jugendlich ihre „räumlich-soziale Umwelt“ aneignen und erleben, dass sie etwas bewirken können: „Misslingende Aneignung führt zu Ablehnung, abweichendem Verhalten und Rückzug“, so Hobelsberger. Ziel der Jugendseelsorge sei „Raumerweiterung“: Jugendlichen sollten Räume zur echten Gestaltung und Veränderung angeboten werden.

Hobelsberger plädiert für eine „Pädagogik des Engagements“: sie trage bei zur „solidarischen Subjektwerdung“, zur „sozialräumlichen Wirksamkeit“ und zur Persönlichkeitsbildung. Zudem sei sie ein wichtiges Mittel gegen das Erleben von Ohnmacht. Bildung, Engagement und soziale Integration bestärkten sich gegenseitig: Je bildungsnäher umso mehr Engagement und desto besser integriert. Traditionelle Formen des Engagements, die durch Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein gekennzeichnet waren, werden abgelöst oder ergänzt durch eher unkonventionelle Formen der informellen, thematisch begrenzten und selbst organisierten Mitwirkung: von „duty-based citizenship“ zu „engaged citizenship“. Das Engagement der Jugendlichen orientiere sich allerdings noch immer stark an den eigenen Interessen und am Gemeinwohl.

Bild (Martina Höhns). Prof. Hans Hobelsberger am 30. August 2017 beim Studientag „Zukunft der Jugendpastoral“ im Lidice Haus in Bremen.