Frauenmahl

Frauenmahl

Einmischen im Geiste Martin Luthers
Debattieren und Genießen: Erstes Ökumenisches Frauenmahl in der Kulturkirche St. Stephani

V O N   S I G R I D   S C H U E R

„Gemeinsam essen, reden, genießen und denken“, so formulierten die Organisatorinnen Suzana Muthreich, Dekanatssprecherin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands in Bremen, und Ruth Heß, Gleichstellungsbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche, das Ziel des ersten Ökumenischen Frauenmahls in Bremen. Der Abend wurde gestern in der Kulturkirche St. Stephani mit vielen Teilnehmerinnen, die sich bei einem festlichen Essen angeregt miteinander austauschten, zu einem vollen Erfolg.

Die Initiative Frauenmahl wurde 2011 ins Leben gerufen und ist ein Beitrag zur Reformationsdekade der Evangelischen Kirche. „In Deutschland und in der Schweiz haben inzwischen rund 50 Frauenmahle stattgefunden“, informierten die Organisatorinnen. Im Geiste Martin Luthers, der Theologie im Alltag mit erhellenden Tischreden verknüpfte, wolle man sich aus Frauensicht einmischen. Zu dem Thema des ersten Ökumenischen Frauenmahls „Jede nach ihrer Fasson? Kirche, Religion und Gesellschaft zwischen Identität und Toleranz“ gaben sieben prominente Frauen mit ihren Tischreden Denkanstöße für vielfältige Diskussionen.

So sprach etwa Frauke von der Haar, Direktorin des Focke-Museums, über das Thema „Heimat und Wanderung“ und die grüne Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck über „Gesellschaft und Religion“. Das Thema von Christina Bergmann, Pfarrerin aus Arnsberg, lautete: „Kirche und die Vielfalt von Geschlechtlichkeiten“. Die freie Journalistin Ulrike Bendrat gab einen Einblick in „Religion und Gesellschaft im Spiegel der Medien“, und die Internistin und Psychoanalytikerin Ilse Wick-Damann setzte sich mit den Schlüsselbegriffen „Identität und Toleranz“ auseinander.

Wie viel Religion verträgt eine Gesellschaft, um frei zu sein, und wie viel braucht sie, um frei zu bleiben? Diese Frage erörterten Edda Bosse, Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), und Martina Blasberg-Kuhnke von der Universität Osnabrück in ihren Beiträgen. „Als Katholikin baue ich mit großer Überzeugung an der Universität Osnabrück das islamwissenschaftliche Institut mit auf. Wir erreichen die Bildung eines europafähigen Islam nur dann, wenn er an deutschen Universitäten kommuniziert wird“, plädierte Blasberg-Kuhnke für eine interreligiöse Kultur des Miteinanders und für eine Religionserziehung, die von allen Seiten tolerant praktiziert wird.

Tätiges Engagement für den Nächsten im Sinne des Prophetenwortes „Gottes Wort halten und Liebe üben“, ist für Edda Bosse die zentrale christliche Aufgabe. So lade die Bremische Evangelische Kirche am 19. November zu einer Konferenz zur Bekämpfung der Kinderarmut ein. Schon am 13. November stehe der Schutz von minderjährigen Flüchtlingskindern auf der Agenda, erklärte die Präsidentin der BEK und forderte – ganz im Sinne von Papst Franziskus: „Die Kirche muss nah bei den Menschen sein und ihre Menschenwürde schützen“.

Quelle: Weser Kurier, 07.11.2013