Folgender Artikel und Bild erschienen im Weser Kurier vom 01.12.2011, Stadtteilbeilage Mitte
In Nsawam, im westafrikanischen Ghana, kommen viele Schüler aus armen Familien. Die meisten können sich nicht einmal die Unterrichtsmaterialien leisten. Seit 2006 sammelt die katholische Frauengemeinschaft Deutschland Geld für den Aufbau einer dortigen Schulbücherei. Das Fundament ist mittlerweile gelegt.
Von Solveig Rixmann Altstadt. Adventsgestecke, selbstgebackene Plätzchen, Perlenschmuck: Der Basar der katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) ist gut bestückt. Der Erlös geht an das Hilfsprojekt "Books for PEC" in Nsawam in Ghana. Seit fünf Jahren sammeln die kfd-Frauen mit viel Eifer Geld für den Aufbau einer Schulbücherei an der privaten Schule Pearls Education Center (PEC).
Über ihre Arbeit bei der katholischen Hochschulgemeinde hat Suzana Muthreich einen ghanaischen Studenten kennengelernt. Sie half ihm, seine schwangere Frau nach Deutschland zu holen. "Da waren sie mir so dankbar, dass sie mich zur Patentante gemacht haben", sagt Suzana Muthreich. Zwei Jahre später ging der Student mit seiner Familie zurück nach Ghana, und Suzana Muthreich sah ihre Chance, das Land zu besuchen.
2006 reiste die Bremerin mit ihrer Familie zum ersten Mal nach Ghana und wohnte direkt neben der Schule, für deren Schulbücherei sie jetzt Geld sammelt. "Die Schule wurde von dem Opa meines Patenkindes vor 16 Jahren gegründet", sagt Suzana Muthreich.
Nsawam ist eine Kleinstadt rund 40 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Accra. Die Stadt ist sehr arm. Der Großteil der Bevölkerung lebt in einfachen Häusern, und das Leben spielt sich meistens im Freien ab. Strom gibt es nicht, auch nicht für eine Straßenbeleuchtung. Die Wege und Straßen haben große Löcher und sind in katastrophalem Zustand. Die meisten der rund 400 Schülerinnen und Schüler des privaten PEC kommen aus armen Familien. Der Schulbesuch kostet etwa 100 Euro im Jahr, aber nicht alle Eltern können das Schulgeld bezahlen. Nur jedes dritte Kind kann sich die notwendigen Schulbücher leisten. Suzana Muthreich war begeistert von der Lebensfreude und dem Lerneifer, den die Kinder zeigen. Viele schaffen es auf weiterführende Schulen.
Suzana Muthreich hatte die Idee, eine Schulbücherei zu bauen. Eigentlich war ihr Traum eine Bücherei. Aber Romane haben Zeit, Unterrichtsmaterialien sind erst mal wichtiger. "Es ist wichtiger, dass wir Klassensätze von Schulbüchern anschaffen", sagt Suzana Muthreich. Wieder in Deutschland zeigte Suzana Muthreich in den kfd-Gruppen einen Bildervortrag über ihre Reise. Sie fand Mitstreiterinnen, und die Idee wurde zum Projekt. Anfangs war es ein kleiner Keksstand nach der Kirche. Doch seither haben die Frauen durch Vorträge, Basare, Aktionen und Spenden rund 5000 Euro für die Schulbücherei aufgebracht. "Das Geld geht zu 100 Prozent in das Projekt", erzählt Suzana Muthreich. Sie bringt die Spenden ein Mal im Jahr persönlich nach Nsawam, stellt den Bauarbeiten vor Ort nur soviel Geld zur Verfügung, wie benötigt wird und bespricht das weitere Vorgehen.
Zum vierten Mal wird beim Adventsbasar ein Kalender verkauft. Die Fotos aus Ghana hat Suzana Muthreich, die sehr gerne fotografiert, auf ihren Reisen selber gemacht. In dem gastfreundlichen Land findet sie immer Menschen, die Freude daran haben, sich fotografieren zu lassen. Der Kalender ist auch ein kleines Dankeschön, zum Beispiel für die Keksbäckerinnen. Kleine Herzen aus Batikstoff werden in diesem Jahr zum zweiten Mal angeboten. Auseinandergefaltet entsteht daraus ein praktischer Einkaufsbeutel. Im vergangenen Jahr nähte Suzana Muthreich noch selber, jetzt hat sie die farbenfrohen Einkaufsbegleiter in Ghana fertigen lassen. Auf dem dortigen Markt kam sie mit einer Schneiderin ins Gespräch. Ihr zeigte sie, wie die Einkaufsbeutel aussehen sollten. Innerhalb von vier Wochen hatte diese 60 Taschen gefertigt und nach Deutschland verschickt.
Mittlerweile ist die Schulbücherei nicht mehr nur Suzana Muthreichs Projekt, auch die Menschen in Nsawam haben ihre Chancen erkannt, sich einzubringen. Das Fundament für die Bücherei ist gelegt, und die ersten Blöcke für das Bauwerk wurden fertiggestellt. Suzana Muthreich hat sich ein Ziel gesetzt. Zehn Jahre hält die für ihre Reisen nach Westafrika notwendige Gelbfieberimpfung. Bevor eine Auffrischung erforderlich ist, soll die Bücherei fertig sein. "Bis 2016 will ich so weit sein, dass da irgendwie eine Bücherei steht." Näheres über das Hilfsprojekt "Books for PEC" gibt Suzana Muthreich, Dekanatssprecherin der kfd-Bremen unter Telefon 3694146.
Von Solveig Rixmann, Foto: Roland Scheitz
© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Mitte Seite: 6 Datum: 01.12.2011



Wie alles begann:
Aus der Taufpatenschaft ist eine Freundschaft geworden. Beim ersten Besuch der Familie im Okt. 2006 in Ghana entstand bei Suzana Muthreich der Wunsch der privaten Schule in Nsawam handfest zu helfen. Am auffälligsten war das Fehlen einer schuleigenen Bücherei. Zurück in Bremen war es nicht nötig die kfd-Frauen zu überzeugen, den Erlös des alljährlichen „Keksverkaufs“ für dieses Projekt zu spenden. Die ersten 100 Euro wurden schon als Grundstock im Dezember ‘06 gelegt. Weitere Besuche und natürlich auch Geld folgten:
Mehr von der PEC School gibt es auf der Homepage:
www.pecschoolghana.com
Bei meinem Besuch im März / April 2011 wurden zunächst 50 Zementsäcke gekauft. Ein Teil ist sofort zu Blöcken verareitet worden.
Inzwischen wurde fleißig weitergearbeitet und bis zur Fensterebene gemauert.
Es geht voran!

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