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Ich bin das Brot
des Lebens.

Joh 6,48

06.02.2012

Gruppenbild mit Weihbischof Kettmann in der JVA Bremen / (c) Dr. Martina Höhns

Bild: Dr. Martina Höhns

Taufe im Knast

Weihbischof beginnt seinen Bremen-Besuch im Gefängnis

Bremen (mh) Die Sorge für Gefangene gehört von Anfang an zu den Kernaufgaben der Christen. Daran erinnerte Weihbischof Theodor Kettmann am 3. Februar bei seinem Besuch in der Justizvollzugsanstalt in Bremen Oslebshausen, mit dem er seine Visitation im Dekanat Bremen begann. Einen ganzen Tag nahm sich der hohe Gast aus Osnabrück Zeit, um Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der JVA, den Insassen, den Gefängnisseelsorgern und Ehrenamtlichen aus den Pfarrgemeinden zu führen. Zum allerersten Mal spendete er einem Inhaftierten in der Gefängniskirche Taufe und Firmung.

Für Anstaltsleiter Dr. Carsten Bauer, der seinen Dienst gleichzeitig mit dem katholischen Gefängnisseelsorger Diakon Dr. Richard Goritzka im September 2010 angetreten hat, war es der erste Besuch eines katholischen Bischofs während seiner Amtszeit. Ausdrücklich dankte er den Kirchen für ihr Engagement in der Gefängnisseelsorge: „Es ist gut, dass die Seelsorger ein offenes Ohr für die Gefangenen und einen nicht ausschließlich von Sicherheitsfragen beherrschten Blick auf die Situation haben“, so Bauer. Besonders anzuerkennen sei, dass sich die Seelsorger auch für die Interessen nicht christlicher Insassen einsetzten, zum Beispiel wenn Muslime besondere Gebetsteppiche haben wollten.

„Ich hab´ da mal ne´ Frage“ und „Haben Sie mal ne´ Minute Zeit?“ sind für Diakon Goritzka und seinen evangelischen Kollegen Pastor Peter Arenz die häufigsten Sätze, die sie hören, wenn Gefangene Kontakt zu ihnen suchen. Seit kurzem arbeitet auch Schwester Maris von den Mauritzer Franziskanerinnen in der Gefängnisseelsorge mit. Sie nimmt sich besonders Zeit für die weiblichen Strafgefangenen. Mit ihren Angeboten trifft sie durchaus auf Interesse: „Bei unserem letzten Treffen haben wir uns mit zehn Frauen über Werte unterhalten und biblische Texte gelesen“.

Für Diakon Goritzka ist es wichtig, dass die Seelsorge losgelöst ist von den verpflichtenden psychologischen und sozialen Angeboten der Justizvollzugsanstalt, die besonders im Rahmen der Vollzugsplanung eine wichtige Rolle spielen. „Die Gefangenen haben im engeren Sinne nichts davon, wenn sie zu mir kommen. Aber so werden sehr existentielle Gespräche über Schuld, Vergebung und Sinnfragen möglich“. Besonders bewegt hat ihn die Geschichte eines Insassen, der immer wieder zu ihm kam, um über seine Albträume zu sprechen, die ihn seit seinen Erlebnissen im Kosovokrieg quälen.

Weihbischof Theodor Kettmann nahm die Gelegenheit wahr, um von Anstaltsleiter Dr. Carsten Bauer, Vollzugsabteilungsleiterin Heike Hoeft, der Teilanstaltsleiterin des Jugendvollzuges Nadine Hartmann und Jörg Lockfeldt, Abteilungsleiter beim Justizsenator, zu hören, wo der Schuh drückt und vor welchen Herausforderungen der Strafvollzug in Bremen steht. Derzeit werden die Bremer Gefängnisse für 50 Millionen Euro saniert. Seit 1993 wurde das Personal der JVA um fast 40 % auf heute 334 Stellen reduziert. Bei den 724 vorgehaltenen Haftplätzen handelt es sich fast ausschließlich um Einzelzellen. Innerhalb von drei Jahren würden fast 50% der Strafgefangenen rückfällig. Aber eine Sorge konnten die JVA-Mitarbeiter dem Weihbischof nehmen: Von den fast 50% Insassen mit Drogenproblemen, hätte in Bremen kaum einer seine ersten Drogenerfahrungen in einer kirchlichen Jugendgruppe gemacht. Ein schwacher Trost.

Bild (Martina Höhns)
Von links nach rechts: Diakon Dr. Richard Goritzka, Pastor Peter Arenz, Schwester Maris, Pfarrer Robert Wagner, Weihbischof Theodor Kettmann, Anstaltsleiter Dr. Carsten Bauer, Vollzugsabteilungsleiterin Heike Hoeft, Teilanstaltsleiterin des Jugendvollzuges Nadine Hartmann.

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 06.02.2012