Aktuelle Mitteilungen

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05.06.2012

Von Bremen nach Rom

Schwester Walburga verabschiedet sich

Am Dienstag, 5. Juni, um 15.00 Uhr startete die Fokker 70 Richtung Amsterdam. Unter den Passagieren Schwester Walburga aus dem Birgittenkloster im Schnoor, die von dort weiter nach Rom reist. Nach über zehn Jahren hat sich die heute 64jährige „Gründungsmutter“ des Bremer Birgittenklosters aus der Hansestadt verabschiedet, um zukünftig im Mutterhaus des Ordens an der Piazza Farnese in Rom deutschsprachige Pilger zu betreuen.

Im Oktober 2001 kam Mutter Walburga mit drei Mitschwestern nach Bremen, um den Bau des neuen Klosters in der Kolpingstraße im Schnoor zu begleiten. Zuvor hatte die Ordensfrau jeweils sechs Jahre in Klöstern in Dänemark und Rom und davor in der Schweiz und Schweden gelebt. Erstmals seit der Reformation sollte nun in der Hansestadt ein Kloster gebaut werden, zu dem neben einer Kapelle und der Klausur der Schwestern auch ein Gästehaus gehört. Während der Bauzeit bezogen die vier Ordensfrauen mit der auffälligen Tracht ihr Quartier in der Gemeinde St. Thomas im Bremer Osten. „Das war eine gute Zeit, in der wir viel über Bremen und die Kirche hier gelernt haben“, so Schwester Walburga.

Am 19. Oktober 2002 wurde das Birgittenkloster im Schnoor von Bischof Dr. Franz-Josef Bode feierlich eingeweiht. Ihm, aber auch dem damaligen Bremer Bürgermeister Dr. Henning Scherf, ist Schwester Walburga bis heute dankbar für die gute Aufnahme: „Wir sind mit offenen Armen empfangen worden und die Menschen in Bremen sind uns mit Respekt, Achtung und Freundlichkeit begegnet.“ Schmunzelnd erzählt die Ordensfrau, dass ihr neues Domizil anfänglich von vielen „das rote Kloster“ genannt wurde, wegen der ungewöhnlichen Terracottafarbe der Fassade.

Überhaupt hat es der gelernten Kindergärtnerin und Heilpädagogin in Bremen gut gefallen: „Bremen ist eine schöne, weltoffene Stadt, in die unsere internationale Gemeinschaft gut passt.“ Bis zum 6. Februar hat Schwester Walburga ihrer Gemeinschaft als „Mutter“ vorgestanden: sie hat sich um die Gäste gekümmert, die Verantwortung für das Haus getragen und zahlreiche Gespräche geführt. „Wir sind ein offenes Haus und fragen keinen, woher er kommt oder ob er katholisch ist“, sagt die Ordensfrau, die es gar nicht mag, wenn viel Aufheben um ihre Person gemacht wird.

Solange wie in Bremen hat es Schwester Walburga, die als einzige Deutsche zum Birgittenorden des neuen Zweiges gehört, noch in keinem anderen Kloster gehalten. Mit 37 Jahren ist die gebürtig aus Bissendorf bei Osnabrück stammende Frau in die internationale Ordensgemeinschaft eingetreten, der über 650 Frauen in fast 40 Klöstern weltweit angehören. Aufgewachsen ist Schwester Walburga als Kind von Vertriebenen aus Schlesien mit drei älteren Schwestern in Osnabrück. Nach Realschule und Ausbildung arbeitete sie als Kindergärtnerin in Osnabrück, Berlin und Kiel, immer in kirchlichen Einrichtungen.

 

Bereits von 1973 bis 1974 führte ihr Weg sie erstmals nach Schweden, wo sie in einem Heim von deutschen Schwestern arbeitete. Nachdem sie ihren kranken Vater über sieben Jahre gepflegt und eine Zusatzausbildung zur Heilpädagogin in Bielefeld absolviert hatte, traf sie 1982 bei einem Urlaub in Falun in Schweden erstmals auf die Birgittenschwestern: „Hier habe ich, besonders beim Nachtgebet, einen so großen Frieden in mir gespürt“, sagt Schwester Walburga rückblickend. Nach einer Vorbereitungszeit als Aspirantin und Postulantin legte sie am 8. September 1987 in Djursholm in Schweden ihre erste Ordensprofess ab.

Heute spricht die Ordensfrau nicht nur deutsch und schwedisch, sondern auch italienisch, englisch, dänisch, norwegisch und etwas französisch. Und so konnte sie vielen Menschen das Kloster in Bremen vorstellen und erklären: „Hier waren Schüler und Firmlinge, Frauengruppen, Studenten und Professoren“. Schweden ist die Ordensfrau bis heute sehr verbunden: „Im Kloster wird jedes Jahr im Dezember das Santa Luciafest mit schwedischen Liedern gefeiert“. Ein besonderes Anliegen ist Schwester Walburga die Einheit der Christen, für die sie regelmäßig betet.

Und ihr schönstes Erlebnis in Bremen? Als ihr Schwager Rainer, der einen evangelischen Posaunenchor leitet, zu Besuch war und die Musiker von der Dachterrasse des Klosters „Großer Gott wir loben Dich“ gespielt haben. „Da haben allen Nachbarn die Fenster aufgemacht und zugehört oder mitgesungen“, erinnert sich Schwester Walburga.

Am 6. Februar 2012 hat Mutter Giovanna, eine 34jährige Mexikanerin, die Leitung der Gemeinschaft in Bremen übernommen, die jetzt aus zwei Mexikanerinnen, zwei Inderinnen, einer Italienerin und einer Polin besteht. Schwester Walburga verlässt Bremen mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Es war eine gute Zeit, aber ich freue mich auch auf Rom“, sagt sie zum Abschied. Ob sie zur Feier des zehnjährigen Klosterjubiläums im Herbst zu Besuch nach Bremen kommt, kann sie noch nicht sagen. „Aber ich möchte allen danken, die hier in Bremen gut zu mir waren und mir zur Seite standen.“

Bilder (Martina Höhns): Schwester Walburga winkt zum Abschied vom Birgittenkloster im Schnoor (Martina Höhns); Am Pfingstsonntag wurde Schwester Walburga mit Blumen von der Pfarrei St. Johann verabschiedet.

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 05.06.2012.