Aktuelle Mitteilungen

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11.06.2012

Profanierung der St. Nikolaus-Kirche

Abschied von der St. Nikolaus-Kirche in Gröpelingen

„Es ist Zeit, die Segel neu zu setzen.“

Enttäuschung, Dankbarkeit und Hoffnung: Mit diesen drei Begriffen traf Propst Dr. Martin Schomaker die Gefühlslage der meisten Gläubigen gut, die am Wochenende auf ganz unterschiedliche Weise von der St. Nikolaus-Kirche in Gröpelingen als Gottesdienstraum Abschied genommen haben. Im Profanierungsgottesdienst am Sonntag um 11.00 Uhr verlas er in der überfüllten Kirche das Dekret des Bischofs von Osnabrück, mit dem dieser das 1959 eingeweihte Gotteshaus „zu profaner, aber nicht unwürdiger Nutzung“ frei gibt. Die Pfarrei St. Marien wird das Gebäude zu einem Haus für Kinder und Familien umbauen.

„Es ist Zeit, die Segel neu zu setzen“, machte Pfarrer Robert Wagner seiner Gemeinde beim Abschiedsgottesdienst am Samstagnachmittag Mut. Aber auch er räumte ein: „Mich überkommt Trauer wie bei einer Beerdigung“. Es sei wichtig, nicht nur zu trauen, sondern auch für all das Gute zu danken, was von der St. Nikolaus-Kirche ausgegangen sei. Die Menschen in Kirche und Gesellschaft lebten heute anders als vor fünfzig Jahren. Umbrüche und Abbrüche seien Zeichen der äußeren und inneren veränderten Wirklichkeit. „Das Entscheidende ist, dass wir selbst zum Aufbau der Kirche beitragen. Dass wir selbst lebendige Steine sind“, so Pfarrer Wagner, der Bremen im Juli Richtung Bad Rothenfelde verlassen wird.

Am Sonntag hat er mit Propst Dr. Martin Schomaker, Pastor Martin Luttmann, Pfarrer Lothar Kaiping, Pfarrer Zdzislaw Turek von der polnischen Mission und den Diakonen Michael Wiegandt und Matthias P. Brauer das letzte Mal am Altar von St. Nikolaus die heilige Messe gefeiert. In feierlicher Prozession wurden nach dem Gottesdienst die Schwarze Madonna, die Osterkerze, das deutsche und das portugiesische Lektionar, Evangeliar und Messbuch, Hostienschalen, Ziborium und das ewige Licht aus der Kirche getragen. Den Schluss bildete die Figur des Heiligen Nikolaus, die von Heinrich Cremering getragen wurde. Sie wird allerdings wieder in das neue Haus für Kinder und Familien einziehen.

„Ich bin froh, dass es hier mit dem Haus für Kinder und Familie weitergeht“ sagt die Küsterin Edeltrud Löhr-Bekoe, deren Mann Freddi seit fünfzehn Jahren Hausmeister an St. Nikolaus ist. Ihr Lieblingsort in der Kirche ist die letzte Bank vor dem Bild der schwarzen Madonna von Tschenstochau. Die polnische Gemeinde wird das Bild am kommenden Sonntag feierlich in die St. Josef-Kirche in Oslebshausen überführen, wo zukünftig polnischsprachige Gottesdienste gefeiert werden.

Gerda Haschke braucht erst einmal Zeit zum Abschiednehmen und ist froh, dass die „Abschiedsgebete“ ihr dabei helfen. Inga Müller, Gemeindereferentin im Anerkennungsjahr, hatte die Ecke mit Abschiedsgebeten gestaltet, eine andere mit Marien- und Nikolausgebeten. „Mit den Abschiedsstationen wollen wir jedem die Gelegenheit geben, sich auf seine Art von der Kirche zu verabschieden“, sagt die gebürtige Twistringerin. Es konnten Abschiedskerzen entzündet, Schiffchen gebastelt und Steine beschrieben werden. Es gab einen Ort, an dem Blumen abgelegt wurden und eine Kiste, in der Dinge zurückgelassen werden konnten. Vor dem Altar lag ein Abschiedsbuch für Erinnerungen an die St. Nikolaus-Kirche.

Viele Erinnerungen an Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und Requien hat auch Pfarrer Lothar Kaiping, der von 1972 bis 1993 Pastor in der St. Nikolaus-Kirche war. Viele bekannte Gesichter hat er in der Bilderausstellung zur Geschichte der Kirche entdeckt. Im Erzählcafé, das Ulla und Gerd Hauschild organisiert haben, werden Geschichten und Erinnerungen rund um den „Gröpelinger Dom“ ausgetauscht.

„Die Jungen sind beweglich und suchen sich eine andere Kirche, aber was ist mit den älteren und alten Menschen?“ fragt Ulla Hauschild nachdenklich. „Ich wünsche mir andere Voraussetzungen, um der Eucharistie vorstehen zu können, damit wir in kleineren Gemeinschaften Mahl halten, ähnlich der Urkirche“ gibt die ehemalige Gemeindereferentin offen zu. Sie hat fast 25 Jahre in St. Nikolaus gearbeitet. Ihr Mann zitiert einen Artikel aus dem Ansgarius, der Bremischen katholischen Sonntagszeitung, aus den 1930er Jahren: „Wir Gröpelinger Katholiken haben keine Kirche, deren Glockengeläut uns des Sonntags zur Heiligen Messe ruft“ und stellt nüchtern fest: „So wird die Zukunft auch wieder sein“.

Weniger bedrückt haben die Kinder von der St. Nikolaus-Kirche Abschied genommen. Bei einer Kirchenerkundung mit Pastoralreferent Johannes Gebbe haben sie den Altarraum unter die Lupe genommen. Die rund 70 Kinder der Kindertagesstätte St. Nikolaus führten mit ihrer Leiterin Gesa Lehmhus das Theaterstück „Arche Noah“ auf und begeisterten mit ihren bunten Kostümen ihr Publikum. Die Jugendlichen feierten einen italienischen Abend.

Die Musikgruppe JoiN gestaltete nicht nur den Abschiedsgottesdienst am Samstag mit, sondern gab unter dem Titel „Töne und Texte“ auch ein bewegendes Abschiedkonzert. Thomas Weckbacher gibt zu, dass ihm der Abschied schwer fällt: „Wird das, was wir hier vorhaben, funktionieren? Der Umbau zu einem Gemeindezentrum mit Gemeinde und Kita, mit Angeboten der Caritas und eine weitere Öffnung in den Stadtteil Gröpelingen, einen sozialen Brennpunkt? Da liegt noch ein anstrengender Weg vor uns“.

Bevor Pfarrsekretärin Gabriele Diener ihr Büro endgültig ganz in die St. Josefs-Kirche verlegt, hat sie noch den Flohmarkt mit Fundstücken aus St. Nikolaus mitorganisiert. Kreuze und Rosenkränze, Bücher, Regale, Vasen, ein alter Diaprojektor und ein hölzernes Schaukelpferd fanden neue Besitzer. Beim Aufräumen hat die Küsterin im Tresor sogar alte Reliquien gefunden: von den heiligen Maria Goretti, Papst Damasus I., Dominicus und Laurentius von Rom. Weitere Fundstücke „Römische Katakombenerde“ und etliche Eheringe.

Am kommenden Donnerstag kommen Gemeindemitglieder aus dem polnischen Ort Zielona Góra (Grünberg) in Schlesien, rund 90 Kilometer nordöstlich von Cottbus nach Gröpelingen. In ihrer neuen St. Urban Kirche werden Altar, Ambo, Orgel, Kirchenbänke und Sakristeieinrichtung ihr neues Zuhause finden. Vermittelt wurde der Kontakt von der Sekretärin der polnischen Mission, deren Bruder der Generalvikar des Bistums in Schlesien ist. Die Glocken der St. Nikolaus Kirche bleiben in Gröpelingen, werden aber als Zierglocken künftig nicht mehr läuten.

Bilder:
Feierlicher Auszug aus der St. Nikolaus Kirche nach dem letzten Gottesdienst (Bild Andreas Chmielarz);
Der Heilige St. Nikolaus wird von Heinrich Cremering aus der Kirche getragen, links Propst Dr. Martin Schomaker (Bild Martina Höhns);
Kita-Kinder führen das Theaterstück „Arche Noah“ zum Abschied von der St. Nikolaus-Kirche auf (Bild Inga Müller);
Beim Flohmarkt fanden Regale und Kreuze neue Besitzer (Bild Martina Höhns);

Weitere Bilder hier.

Pfarrer Lothar Kaiping erinnert sich an seine Zeit als Pfarrer in St. Nikolaus von 1972-1993;
Küsterin Edeltrud Löhr-Bekoe und ihr Mann Freddi, seit 15 Jahren Hausmeister an St. Nikolaus, an ihrem Lieblingsplatz in der Kirche (Bild: Martina Höhns);
Pastoralreferent Johannes Gebbe erkundet mit Kindern den Altarraum (Bild Inga Müller);
Austausch von Erinnerungen im Erzählcafé (Bild Martina Höhns);

Die letzte Heilige Messe am 10. Juni 2012 in St. Nikolaus: von links nach rechts: Pfarrer Zdzislaw Turek von der polnischen Mission, Pfarrer Lothar Kaiping, Pfarrer Robert Wagner, Pastor Martin Luttmann und Propst Dr. Martin Schomaker (Bild Martina Höhns).

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 11.06.2012.