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17.07.2012

"Immer auf Augenhöhe"

Abschied von Pfarrer Robert Wagner

Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 17.07.2012

„Immer auf Augenhöhe“
Nach 16 Jahren Bremen verabschiedet sich Pfarrer Robert Wagner aus St. Marien

Bremen (mh) „Den Menschen immer auf Augenhöhe begegnen“, das ist einer der Grundsätze, der Pfarrer Robert Wagner für die Seelsorge in Bremen wichtig war. Christliche Zuwendung geschieht nicht von oben herab, da ist sich der katholische Priester sicher, der 16 Jahre im Bremer Westen gearbeitet hat. Am Sonntagnachmittag wurde der 54-Jährige mit einem feierlichen Gottesdienst und einem anschließenden Empfang von der St. Marien-Gemeinde verabschiedet. Ab 1. Oktober ist Robert Wagner Pfarrer in Bad Rothenfelde und Hilter.

Fast drei Stunden dauerten die Abschiedsfeierlichkeiten zu Ehren des Pfarrers der St. Marien-Gemeinde, zu der die Kirchenstandorte St. Bonifatius in Findorff, St. Josef in Oslebshausen und bis vor kurzem die St. Nikolaus-Kirche in Gröpelingen gehören. Über 400 Gemeindemitglieder waren gekommen, um ihren Seelsorger zu verabschieden. Der Kirchenchor und die Flötengruppe St. Marien, die Jugendband von St. Josef, portugiesische Sänger, die Kita-Kinder aus St. Marien, die Erzieherinnen der Kita St. Nikolaus und nicht zuletzt das pastorale Team mit Pastor Martin Luttmann an der Gitarre sorgten dafür, dass die Stimmung heiter blieb.

Die heilige Messe feierte Pfarrer Wagner gemeinsam mit Propst Dr. Martin Schomaker, Pastor Martin Luttmann und den Diakonen Michael Wiegandt und Matthias P. Brauer. Wagner gab zu, vor diesem besonderen Gottesdienst ähnlich nervös gewesen zu sein, wie bei seinem Primizgottesdienst, also seinem ersten Gottesdienst als neugeweihter Priester. „So lange wie in Bremen war ich noch nie an einem Ort, selbst nicht im Elternhaus“, verriet der in Dörpen geborene Geistliche, der am 9. Dezember 1989 im Dom zu Osnabrück die Priesterweihe empfangen hatte.

Drei Gegenstände, die für ihn Symbolcharakter haben, will der studierte Theologe auf jeden Fall an seine neue Wirkungsstätte in Bad Rothenfelde mitnehmen: das Kreuz, das er als Jugendlicher selbst gebastelt hat und das ihn bisher an jeden Ort seines Lebens begleitete. Eine kleine Skulptur des „Denkers“ von Auguste Rodin, die ihn immer dazu ermutige, den Kopf zu gebrauchen, nachzudenken und mit Vernunft zu arbeiten. Und die Figur eines kleinen Esels: „Der erinnert mich daran, dass es Zeiten gibt, in denen ich einfach mal nur Lasten durch die Gegend schleppen muss“.

Propst Dr. Martin Schomaker hielt gemeinsam mit Pfarrer Robert Wagner die Predigt, bei der drei Tätigkeiten im Mittelpunkt standen, die einen Seelsorger auszeichnen: verkündigen, zuwenden, heilsam sein. Für die Gemeinschaft in der Verkündigung habe sich Robert Wagner auf vielfältige Weise eingesetzt: im pastoralen Team, im Miteinander von Ehren- und Hauptamtlichen, als stellvertretender Dechant auf Ebene der Stadt Bremen und als Vertreter im Priesterrat des Bistums Osnabrück. Pfarrer Wagner habe es – aufgrund seiner Körpergröße – nicht schwer, sich herunter zu beugen, so Schomaker: „Aber nicht nur aufgrund seiner Körpergröße, auch wegen seiner Grundhaltung ist sein pastorales Handeln davon geprägt, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen“. „Heilsam sein“, so der Propst, „bedeutet den Menschen Mut machen, Gott zu vertrauen, die eigenen Fähigkeiten wahrzunehmen und die Kraft der kleinen Gruppe zu sehen und dies in einer Atmosphäre, in der Menschen einander wertschätzen.“ Für eine solche Atmosphäre habe Robert Wagner vielfach gesorgt.

Die Kinder der Kita St. Marien mit ihrer Leiterin Anja Terbrüggen hatten sich Gedanken gemacht, was ihr Pfarrer wohl für die Reise brauchen könnte. Zum Proviant gehörten auch ein Teddy, eine Taschenlampe und ein Flummi. Die Erzieherinnen der Kita St. Nikolaus mit ihrer Leiterin Gesa Lehmhus sangen nach der Melodie des Schlagers „Mit 66 Jahren“ für Robert Wagner: „Warst immer für uns da und hast uns unterstützt, mit Gefühl und Herzenswärme und manchmal auch mit Witz“.

Einen riesigen Korb mit portugiesischen Leckereien überreichte Maria Pimenta für die portugiesische Gemeinde. Frauen aus Eritrea in ihrer Landestracht schenkten Robert Wagner Brot und Honig als Zeichen der Gemeinschaft. Zwei Geistliche der russisch-orthodoxen Gemeinde bedankten sich mit einer kleinen Ikone für die Gastfreundschaft. Afrikanische Christen aus Eritrea feiern ebenso wie die russisch-orthodoxe Gemeinde in der St. Bonifatius-Kirche in Findorff ihre Liturgie.

Der evangelische Pastor „von gegenüber“, Hartmut Strudthoff von der evangelischen Wilhadigemeinde, bedankte sich für die gute ökumenische Zusammenarbeit. Er verabschiedete sich ebenso wie der Kirchenchor St. Marien mit Bremer Ratskellerwein. Die Küsterinnen und Küster der verschiedenen Kirchenstandorte überreichten ihrem bisherigen Chef einen Pilgerstab und kündigten an, diesen bei einem Besuch in Bad Rothenfelde wieder abzuholen. Einen Spazierstock und einen gesungenen Reisesegen gab es vom pastoralen Team. Der Pfarrgemeinderatsvorstand schenkte Robert Wagner ein Zelt und schilderte in einer humorvollen Aufbauanleitung die Zusammenarbeit der vergangenen Jahre.

Mit einer besonderen Art von „Vesper“ amüsierten Ulrike Kehlbeck-Staats, Andrea Johanning und Inga Müller ihre Zuhörer. Im Gleichnis vom Hirten und der Herde ließen die drei auf humorvolle Weise die Amtszeit von Pfarrer Wagner Revue passieren unter dem Motto: „Der Robert war unser Hirte, er begleitete treu uns viele Jahre“. Die Gemeinde verabschiedete sich mit einem Sessel von ihrem langjährigen Pfarrer. Nach dem Abschiedsmarathon in der Kirche wurde im Pfarrgarten und auf dem Kirchplatz ordentlich gefeiert bei Getränken, Salat und Würstchen vom Grill.

Pfarrer Robert Wagner war seit dem 1. November 1996 Pfarrer in Bremen, zunächst in St. Marien und St. Bonifatius, seit dem 1. Januar 2007 in der Pfarrei St. Marien mit den Kirchenstandorten St. Marien in Walle, St. Bonifatius in Findorff, St. Josef in Oslebshausen und bis Juni St. Nikolaus in Gröpelingen. Als Kaplan war er zuvor in Twistringen und Ankum eingesetzt. Mit Wirkung vom 1. Oktober 2012 hat ihn der Bischof von Osnabrück, Dr. Franz-Josef Bode, zum Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft St. Elisabeth in Bad Rothenfelde, St. Josef in Hilter, St. Pankratius in Hilter-Borgloh und St. Barbara in Hilter-Wellendorf ernannt.

Sein Nachfolger in der Pfarrei St. Marien im Bremer Westen wird zum 1. Oktober 2012 Pfarrer Josef Fleddermann, der bisher Pfarrer in Rhede war.

Bilder (Dr. Andreas Chmielarz)