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Hl. Katharina von Siena

02.02.2015

Pilgerfahrt zum Grab des Heiligen Ansgar im Zeichen der Ökumene

Hamburger und Bremer, Katholiken und Protestanten feiern 1150. Gedenktag

 

Über 130 Christen aus Hamburg haben am Sonntag gemeinsam mit Katholiken und Protestanten aus Bremen, Osnabrück und Stockholm den 1150. Todestag des Heiligen Ansgar in Bremen gefeiert. Mit drei Bussen waren die Hamburger zu einer Pilgerfahrt in die kleinere Hansestadt gereist, um hier die 42. St. Ansgar-Woche zu eröffnen. Mit ihr erinnert das Erzbistum Hamburg an den Heiligen Ansgar, den ersten Bischof von Hamburg und „Missionar des Nordens“, der am 3. Februar 865 in Bremen gestorben ist.

Als ein „Zeichen der Verbundenheit der Christen des Nordens“  bezeichnete der Bischof von Osnabrück, Dr. Franz-Josef Bode, das gemeinsame Gedenken an den 801 bei Corbie in Flandern geborenen Bischof und Ordensmann. Unermüdlich sei Ansgar unterwegs gewesen, um die Menschen im hohen Norden für den christlichen Glauben zu gewinnen. Dabei sei er bis an die Grenzen gegangen, auch seiner eigenen Kraft. Wie zur Zeit des Heiligen Ansgar habe das Christentum im Norden auch heute Transformationsprozesse durchzumachen, auch wenn die katholische Kirche in vielen skandinavischen Ländern wachse.

Von bleibender Aktualität sei die Erkenntnis des Heiligen Ansgar, dass der Glauben nur durch glaubwürdige Menschen verbreitet werde. „Auch heute müssen wir Menschen zum persönlichen Zeugnis befähigen und ermächtigen, so dass durch sie ein neuer Aufbruch möglich werden kann“, so Bode in seiner Predigt. Aktuell sei Ansgar auch, weil er sich nicht beirren und entmutigen ließ von kleinen Zahlen oder wenn seine Pläne durchkreuzt wurden. „In der Art wie er Weite, Nähe und Tiefe verbunden hat, ist Ansgar eine Zukunftsgestalt“, sagte Bode in Bremen. Er rief dazu auf, die christliche Botschaft „mit Realismus, Besonnenheit, Offenheit und Leidenschaft“ zu verkündigen, wie es der Heilige Ansgar vor 1150 Jahre getan habe. „Er fürchtete sich nicht zu sterben, aber er weigerte sich nicht, zu leben“, so Bode. Dass der Bischof von Osnabrück in seiner Begrüßung vom „Bistum Bremen“ gesprochen hat, dürfte so manchen Bremer Katholiken  gefreut haben, auch wenn es nur ein kleiner Versprecher war.

Gemeinsam mit dem Stockholmer Bischof Anders Aborelius, den beiden Weihbischöfe aus dem Erzbistum Hamburg Dr. Hans-Jochen Jaschke und Norbert Werbs, dem Diözesanadministrator des Erzbistums Hamburg Ansgar Thim, dem Dompropst des Hamburger Domkapitels Franz-Peter Spiza und weiteren hohen Geistlichen aus Osnabrück, Hamburg und Bremen hatte Bischof Bode vormittags ein feierliches Pontifikalamt in der Propsteikirche St. Johann im Schnoor gefeiert.  Dabei wurde in besonderer Weise für den vor wenigen Tagen neu ernannten Erzbischof von Hamburg, Dr. Stefan Heße, gebetet, der am 14. März in Hamburg zum Bischof geweiht wird.  Die Kollekte war für das Ansgar-Werk der Bistümer Osnabrück und Hamburg, das Katholiken in Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden unterstützt. Für klangvolle Musik sorgten im Gottesdienst Mitglieder der beiden Hamburger Chöre vom St. Marien-Dom und der Pfarrei St. Katharina von Siena unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Eberhard Lauer und der Bremer Kirchenmusikdirektor Karl-Bernhard Hüttis an der Orgel.

Der Schriftführer und oberste geistliche Repräsentant der Bremischen Evangelischen Kirche Renke Brahms hob nachmittags in der ökumenischen Vesper im St. Petri-Dom hervor, dass Ansgar auch für evangelische Christen eine große Rolle spiele. Heute sei vielen Menschen der Glauben fremd geworden. Deshalb befinde sich die Kirche erneut in einer missionarischen Situation, in der Menschen neu zum Glauben eingeladen werden sollten. Auch Ansgars Lebensweg hatte viele Stationen mit Rückschlägen und Niederlagen. Trotz aller Widerstände ermutige er dazu, Gottes Wort frohen Mutes mit Geduld und Ausdauer zu verkünden. „Ansgar war kein Fanatiker. Er hat Menschen überzeugt durch seine Botschaft und sein Leben“ so Renke Brahms.

Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke sagte in der Vesper: „Ansgar war ein Visionär, aber er war kein Träumer“. Er habe immer an der Seite der Kleinen und Geringen gestanden. Ansgar habe den Kirchen ein „ökumenisches Format“ geschenkt: „Es geht um Gott, den Gott aller Menschen, der immer der Größere bleibt“. Die Kirche sei offen für alle Menschen und solle ihnen „Trost, Ermutigung und Herausforderung“ sein. „Verstellen wir den Menschen unserer Zeit nicht den Blick auf Gott“ mahnte Weihbischof Jaschke in Bremen. Domorganist Tobias Gravenhorst spielte in der Vesper die Orgel. Nach dem Gebet fachsimpelte er mit seinem Hamburger Kollegen Eberhard Lauer, der seit 30 Jahren Kirchenmusiker im Hamburg ist.

Domprediger Pastor Henner Flügger überreichte den Hamburger Gästen im Dom einen kleinen Petrusschlüssel, der früher das Wappen des Erzbistums Bremen-Hamburg zierte und noch heute als „Bremer Schlüssel“ das Wappen der Freien Hansestadt Bremen schmückt. Zu den Gästen im St. Petri Dom gehörte auch die Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche Edda Bosse, die Bischof Bode und Weihbischof Jaschke im Anschluss an die Vesper  gemeinsam mit Pastor Flügger und Schriftführer Brahms durch das Dommuseum führte, das eine Reihe neuer Exponate zeigt, darunter ein Bischofsstab aus dem 13. Jahrhundert, die „Krümme von Limoges“ und ein Paar alter „Pontifikalstrümpfe“.

Zwischen Pontifikalamt am Vormittag und Ansgar-Vesper am Nachmittag wurden die Hamburger Gäste von der Gemeinde St. Johann  mit einer warmen Mahlzeit und Getränken versorgt. „Die Gastfreundschaft der Bremer war überwältigend“ sagte Claus Everdiking, der die Pilgerfahrt für das Erzbistum Hamburg organisiert hat. Auch die Bischöfe ließen sich die Suppe in der Aula der St.-Johannis-Schule schmecken. Danach ging es in drei Gruppen auf einen „spirituellen Stadtrundgang“ durch die Bremer Innenstadt. Schwester Judith Terheyden von den Thuiner Franziskanerinnen, Christine Sauerland aus der Pfarrei St. Raphael und Ottmar Hinz vom Evangelischen Bildungswerk erschlossen den Gästen so einige Engelsfiguren an Dom, Roland und Rathaus. Vor den Bremer Stadtmusikanten ging es um biblische Geschichten, in denen Esel, Hahn und Hund eine Rolle spielen, nur die Katze hatte in der Bibel keinen Platz. Die 22jährige Lara Jungnickel und der 29jährige Paul Gwozdz gehörten zu den jüngsten Teilnehmern der Pilgerfahrt: „Es war unsere erste Ansgar-Woche und die Pilgerfahrt nach Bremen hat uns gut gefallen. Das sollte wiederholt werden“, sagten beide.

Der Heilige Ansgar wurde 801 bei Corbie in Flandern geboren und starb am 3. Februar 865 in Bremen. Nach dem Tod seiner Mutter wuchs Ansgar ab 806 in der Klosterschule Corbie im Tal der Somme in Frankreich auf. 822 wurde er als Lehrer in die Klosterschule in Corvey an der Weser bei Höxter versetzt, der er später vorstand. 826 reiste er das erste Mal nach Dänemark. 830/31 gründete er das Erzbistum Hamburg. Als die Wikinger 845 die Hammaburg plünderten verlegte Ansgar seinen Bischofssitz nach Bremen und wurde 848 Erzbischof in Bremen. Von Bremen aus unternahm er mehrere Missionsreisen nach Dänemark und Schweden. 864 erkrankte Ansgar schwer und starb am 3. Februar 865 in Bremen.

Bilder Martina Höhns: 749,844: Pontifikalamt in der Propsteikirche St. Johann zum Gedenken an den 115. Todestag des Heiligen Ansgar; 922: Spirituelle Stadtführung mit Ottmar Hinz;

Rolf Adloff: Vesper im St. Petri Dom mit Domprediger Pastor Henner Flügger, Schriftführer Renke Brahms, Dompropst Franz-Peter Spiza, Tobias Sellenschlo und Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke

Weitere Bilder hier.

Bremen (mh): Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 02.02.2015.