Aktuelle Mitteilungen

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11.03.2015

Maria Bartels, Daniela Schrage, Emilia Paderewska-Albers, Ingela Forsberg / Foto: Dr. Martina Höhns

Das Wort Gottes in vielen Sprachen

Ein buntes Team von Lektorinnen zeigt: Wir sind Weltkirche

17 Frauen sind es zurzeit, die sonntags im 11.00 Uhr-Gottesdienst in St. Johann eine Schriftlesung in ihrer Muttersprache vortragen. Am Ostersonntag wird es Polnisch sein, am Ostermontag Englisch, am 12. April Vietnamesisch und am 19. Indonesisch. Auch für Italienisch, Philippinisch, Portugiesisch, Schwedisch und Spanisch gibt es muttersprachliche Lektorinnen.

Die Idee, das Wort Gottes in vielen Sprachen im Gottesdienst zu Gehör zu bringen, hatte der frühere Propst Ansgar Lüttel. 2005 hat er den Kreis muttersprachlicher Lektorinnen und Lektoren gegründet, der jetzt von Daniela Schrage koordiniert wird, deren Wurzeln in Lonato del Garda liegen, einer kleinen Stadt am Gardasee in Italien. Auch von Anfang an dabei sind Emilia Paderewska-Albers aus Zabki, einer Vorstadt von Warschau in Polen und Maria Bartels aus Surabaya in Indonesien. Ingela Forsberg aus Halmstad an der Westküste Schwedens ist als einzige Protestantin seit zwei Jahren im Team.

„Nach einer Lesung auf Italienisch werde ich von anderen italienischen Gottesdienstbesuchern oft angesprochen, auch von vielen Touristen. Das ist eine schöne Kontaktmöglichkeit“, berichtet Daniela Schrage. Maria Bartels, die einen Bremer geheiratet hat und seit 2001 in der Hansestadt lebt, sagt: „Es ist ein gutes Gefühl im Gottesdienst die eigene Sprache zu sprechen. Das zeigt auch die Vielfalt unserer Gemeinde, zu der ja sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund gehören“. Die 41Jährige ist froh über diese Offenheit, die sie in ihrer muslimisch dominierten indonesischen Heimat vermisst.

Ingela Forsberg bereitet sich intensiv auf ihre Lesungen vor. Aber sie ahnt, dass nur wenige Gottesdienstteilnehmer Schwedisch verstehen. „Manchmal denke ich, ich könnte auch über meinen Kakadu Molly sprechen“, sagt sie mit einem Zwinkern im Auge, erntet dafür aber sofort Widerspruch. Dafür kämen in den Bibellesungen viel zu oft die Namen der Apostel oder Jesus vor. Für Emilia Paderewska-Albers ist es wichtig, sich geistlich auf ihren Dienst als Lektorin vorzubereiten: „ Ich bete vorher, damit ich das Wort Gottes würdig lese und mich nicht selbst in den Mittelpunkt stelle“.

So sehr sich die Lektorinnen in St. Johann auch zuhause fühlen, so deutlich sehen sie auch die Unterschiede zwischen der Kirche in Bremen und ihrer Heimat. „In Polen sind hauptsächlich Männer Lektoren und es gibt weniger Messdienerinnen, aber die Gottesdienste sind voller“, erzählt Emilia Paderewska-Albers, die mit einem Bremer verheiratet ist und seit 1985 in der Hansestadt lebt. Maria Bartels fehlt manchmal die Lebendigkeit und Herzlichkeit, die sie aus der Kirche in Indonesien kennt: „Es gab überall immer ganz viele Blumen, viel fröhlichere Gesänge, Prozessionen, Krippenspiele mit Erwachsenen und einem echten Baby als Jesuskind und mehr persönliche Kontakte untereinander“. Dafür findet sie sehr gut, dass sich die Seelsorger in St. Johann wirklich um jeden einzelnen kümmern, zum Beispiel bei Taufgesprächen. Ingela Forsberg sind die Gottesdienste in Bremen oft zu langweilig, zu wenig aktuell und zu lang. Sie freut sich, dass mittlerweile auch die Bremer das Luciafest kennen, das in Schweden ganz groß gefeiert wird. „In Italien ist das Gemeindeleben nicht so durchorgansiert, die Predigten sind oft weniger vorbereitet, aber die Pfarrer kennen jeden“, berichtet Daniela Schrage, die seit 1970 in Deutschland und seit 1978 in Bremen lebt.

Drei Mal im Jahr trifft sich das Lektorinnen- Team, um die Lesungen für die kommenden vier Monate aufzuteilen. Im Dezember gibt es eine gemeinsame Feier, zu der viele Frauen Spezialitäten aus ihrer Heimat mitbringen und für die Ingela Forsberg einen Julklapp organisiert. „Schön wäre es, wenn sich auch einige Männer zu diesem Dienst bereit erklären“, sagt Daniela Schrage und fügt hinzu „besonders suchen wir Lektoren für Französisch und Chinesisch“.

Bild (Martina Höhns): von links nach rechts: Maria Bartels, Daniela Schrage, Emilia Paderewska-Albers, Ingela Forsberg.