Aktuelle Mitteilungen

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16.06.2015

Katholisch-buddhistischer Dialog in Bremen

Dr. Werner Höbsch aus Köln zu Gast beim Sommerfoyer

 

Eine Ausstellung seltener Buddha-Reliquien aus Indien, Tibet und China war vom 12. bis 14. Juni im Willehad-Saal der katholischen St. Johannis-Schule in Bremen zu sehen.  Gezeigt wurden so genannte Ringsels, perlenartige Kristalle, die beim Verbrennen der Asche eines buddhistischen Meisters übrig bleiben sollen. Aber auch Blut-, Haar-, Zahn- und Kleidungsreliquien  von 44 verschiedenen Buddhas, die ältesten aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert, waren zu sehen.  Acht Reliquien von Buddha Shakyamuni, dem Begründer der  Weltreligion Buddhismus, sind der Sammlung vom Dalai Lama geschenkt worden.

Die tibetisch-buddhistische Gemeinschaft aus Bremen hatte die „Maitreya Loving Kindness Tour“ nach Bremen geholt, die seit 15 Jahren weltweit von über 2,3 Millionen Menschen in 70 Ländern  gesehen wurde. Dazu gab es ein interreligiöses Begleitprogramm mit Vorträgen, Diskussionen, Konzerten  und Friedensgebetenn, an dem sich auch die katholische Kirche beteiligt hat.

Dr. Werner Höbsch, Leiter des Referats Dialog und Verkündigung im Erzbistum Köln, sieht im Buddhismus die spirituelle Herausforderung der Zukunft. Während der Islam eine große gesellschaftliche Herausforderung darstelle, fordere der Buddhismus das Christentum geistlich zum Dialog heraus, sagte Höbsch am 13. Juni beim Sommerfoyer des Katholischen Büros in Bremen. Das gelte besonders für die philosophische Kompetenz und die meditative Praxis.

Gelassenheit sei ein zentraler Begriff im Buddhismus. Er bezeichne die aktive Haltung des loslassen Könnens als Voraussetzung für intensive Zuwendung. Das habe nichts mit einer „Wellness-Religion“ zu tun. Tief verankert sei das Wissen, dass der Mensch nichts festhalten könne, auch das nicht, was ihm lieb geworden ist.

Die Lehre Buddhas habe einen realistischen analytischen Blick auf den Menschen und diagnostiziere Gier, Hass, Unwissenheit und Verblendung. Gleichzeitig weise sie einen „therapeutischen Weg“ durch „rechtes Denken, Handeln und meditative Versenkung“. Zentral sei die Schulung der „gütigen und liebenden Aufmerksamkeit“, das “Einüben von Mitgefühl und Weisheit“. Höbsch erkennt hier eine große Nähe zur christlichen Haltung der Barmherzigkeit. Der Dalai Lama sehe die Praxis der Liebe und des Mitgefühls in Jesus vorbildlich verwirklicht.

Auch im Blick auf die Reliquienverehrung sieht Höbsch Berührungspunkte zwischen katholischer und buddhistischer Tradition. In der Begegnung mit  Reliquien könnten Menschen gütiger, liebevoller, offener und solidarischer werden. Allerdings dürften Reliquien nicht zu wirtschaftlichen Zwecken missbraucht werden, wie das im Mittelalter im Christentum häufig der Fall war.

Selbstverständlich gibt es Unterschiede zum Christentum, die Höbsch klar benennt: Buddha sei ein Titel und bezeichne einen „Erwachten“, einen „Erleuchteten“, nicht Gott. In Jesus Christus werde der menschgewordene Gott als Grund alles Seienden angebetet. Der Tod Jesu am Kreuz, bei dem er nach christlichem Glauben stellvertretend sein Leben für die Menschen hingegeben und sie so erlöst hat, sei dem Buddhismus fremd. Auch in den Jenseitsvorstellungen unterscheiden sich die Religionen. Zwischen dem buddhistischen Glauben an die Wiedergeburt und der katholischen Lehre von Fegefeuer sieht Höbsch allerdings durchaus Entsprechungen: In der Konfrontation mit dem Leiden und den Verfehlungen begegne der Einzelne dem liebenden Gott, „einem Richter, der aufrichtet“ und werde so gleichsam zum ewigen Leben „wiedergeboren“.

In der  Welt von heute, die unter Terror und Gewalt leide und in der viele Menschen Opfer von Gier und Egoismus würden, seien alle Religionen aufgefordert, der Hartherzigkeit eine „Allianz der Barmherzigen“ entgegenzusetzen.

Zum interreligiösen Begleitprogramm  gehörte auch ein Podiumsgespräch am Abend des 13. Juni mit Propst Dr. Martin Schomaker. Er sprach sich für einen angstfreien „Dialog des Lebens auf Augenhöhe und auf allen Ebenen“ aus. Identität und Verständigung gehörten zusammen. Um die europäische Kultur zu verstehen, sei es wichtig, etwas vom Christentum zu wissen. Neben der affektiven und spirituellen Dimension sei das Handeln aus dem Glauben wichtig. Gemeinsam mit Pastor Volker Keller von der Bremischen Evangelischen Kirche, dem Hindu Nepal Loth, dem Buddhisten Oliver Petersen, dem Juden Dimitrios Berger und dem Agnostiker Dr. Berndt Oei diskutierte er unter der Moderation von Peter Meier-Hüsing von Radio Bremen.

Bilder (Martina Höhns):

Dr. Werner Höbsch (Mitte) wird von Joachim Habekost (links) von der tibetisch-buddhistischen Gemeinschaft durch die Reliquienausstellung geführt.

Katholisch-buddhistischer Dialog (von links nach rechts): Propst Dr. Martin Schomaker, Yvette Kühl, Dr. Werner Höbsch, Joachim Habekost und Christoph Huber nach dem Sommerfoyer.

Bilder von der Reliquienausstellung.

 

Bremen (mh) Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 16.06.2015.