Aktuelle Mitteilungen

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15.11.2016

Dr. Hermann Queckenstedt / Foto: Kath. Gemeindeverband - Christoph Brüwer

„Hermann Lange – Der rote Pastor“

Vortrag von Hermann Queckenstedt in St. Marien

„Ich freue mich, dass auch zu unserem letzten Begleitvortrag die Bude voll ist“, begrüßte Dekanatsreferent Hans-Peter Ostermair am 14. November die rund 60 Zuhörer im Gemeindesaal der St. Marien-Gemeinde in Walle. Hermann Queckenstedt hielt hier einen Vortrag über den „roten Pastor“ Hermann Lange, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Gemeinde gewirkt hatte.

Für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen Hermann Lange zu erwähnen, wenn es um die Geschichte der katholischen Kirche in Bremen ginge, erklärte Queckenstedt zu Beginn. Bereits Langes Geburt sei außergewöhnlich gewesen, denn als Sohn einer Papenburger Schifferfamilie sei er auf See geboren worden. Nach seiner Priesterweihe 1906 sei Lange als Vikar direkt in die St. Marien-Gemeinde in Walle gekommen. Walle sei zu dieser Zeit von Migranten geprägt gewesen, die aus dem Eichsfeld, Polen und Böhmen kamen. Zwei Drittel der Familien erzogen ihre Kinder fremdsprachlich, was Kommunikations- und Lernprobleme zur Folge hatte.

Als im Verlauf des Ersten Weltkrieges die Familienväter in Walle für den Kriegsdienst eingezogen wurden, seien diese durch die Mütter am Arbeitsplatz ersetzt worden. Die Mädchen mussten in den Familien oftmals die Mutterfunktion übernehmen. Pfarrer Hermann Lange habe daher 1916 das Festlokal „Marienburg“ in ein Kinderhaus umfunktioniert, um den Kindern eine Mahlzeit und Betreuung bis zum Feierabend der Mütter zu bieten. Da die kirchliche Mildtätigkeit im weiteren Verlauf des Krieges eine immer größere Rolle spielte, gründeten sich in den Diözesen Caritas-Vereine. In Bremen, das noch zum Gebiet der nordischen Mission gehörte, gründete sich ein eigenständiger Caritas-Verein, für den Lange 1918 die Federführung übernahm. „Das Gesamtgeschehen dürfte für die Priester und Kapläne eine große Herausforderung gewesen sein“, fasste Queckenstedt die Lage in den Gemeinden nach dem Ersten Weltkrieg zusammen.

Die soziale Not sei auch nach dem Krieg weiterhin groß gewesen. Hermann Lange habe daher Lebensmittelspenden aus dem Emsland organisiert und gemeinsam mit den Waisenkindern in Walle Gemüse angebaut. Darüber hinaus habe er Jugendlichen bei der Lehrstellensuche geholfen. Vor allem aufgrund dieses persönlichen sozialen Engagements und der Sorge um die Situation der Arbeiter, habe sich für Hermann Lange wohl der Beiname „der rote Pastor“ entwickelt. Neben dieser Tätigkeit erforschte Lange auch die „Geschichte der christlichen Liebestätigkeit in der Stadt Bremen im Mittelalter“ und legte seine Doktorarbeit 1924 der Universität Münster vor. In das Fazit seiner Arbeit habe er auch christliche Sorgen der Gegenwart einfließen lassen, so Queckenstedt.

Lange gehörte 1924 darüber hinaus zu den Mitbegründern der bremischen katholischen Kirchenzeitung „Ansgarius“, die er als Chefredakteur auch leitete. Von 1927 bis 1931 wirkte Lange zudem als Politiker in der Bremischen Bürgerschaft. Kurz nach seinem 25-jährigen Priesterjubiläum wurde Lange 1931 zum Domkapitular in Osnabrück berufen worden. Mit der Mariengemeinde in Bremen blieb er aber dennoch durch die Organisation und Begleitung von Wallfahrten verbunden. Im Alter von 62 Jahren verstarb Hermann Lange 1942 in Osnabrück. „Hermann Lange war eine faszinierende Persönlichkeit, die unheimlich breit aufgestellt war“, zog Queckenstedt ein persönliches Fazit am Ende seines Vortrags.

Dr. Hermann Queckenstedt ist Direktor des Diözesan-Museums in Osnabrück. Seinen Vortrag über Hermann Lange hielt er als Begleitvortrag zur Ausstellung „Glaubensgeschwister. 1816 – Neubeginn der katholischen Gemeinde in Bremen“. Die Ausstellung ist noch bis zum 24. November im Dom-Museum in Bremen zu besichtigen. Danach zieht die Ausstellung nach Osnabrück und ist dort vom 12. bis zum 29. Januar im Forum am Dom zu Gast.

Foto: Dr. Hermann Queckenstedt hielt in St. Marien einen Vortrag über den „roten Pastor“ Hermann Lange. Bremen (cb) Pressemitteilung des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen vom 15.11.2016.